Ueber die Entwicklung der sittlichen Ideen . Eine völkerpsychologische Studie von O . Flügel . Fortsetzung aus dem vorigen Hefte . Die Idee des Rechts . Noch kürzer als bei der Idee der Vollkommenheit kann man sich bei der Rechtsidee fassen ; denn sie ist auch allen Völkern bekannt und ist in der Regel ziemlich ausgebildet , wo nur einigermaßen die Verhältnisse der Gesellschaft sammengesetzter werden . Wir kennen kein Volk ohne tum , sei es Privat - oder Staatseigentum , und damit sind schon Rechtsbestimmungen über den Erwerb desselben wendig . Freilich ist nicht anzunehmen , dass die ersten Besitzergreifungen auf rechtmäßige Weise in Folge seitigen Uebereinkommens oder gar freiwilligen Ueberlassens vor sich gegangen sind ; vielmehr wird zunächst das genannte Recht des Stärkern geherscht haben . Jeder wird seine Macht soweit ausgedehnt haben , als er konnte , und für sein Eigentum erklärt haben , so viel er gegen andere zu behaupten vermochte . Grimm sucht nachzuweisen , dass bei den Indogermanen die Worte für Besitz meist auf der Gultur - stufe der Viehzucht entstanden sind , und dass z . B . jemand das für sein Eigentum hielt , was er zur Weide trieb * ) . Mag * ) J . Grimm . Kleinere Schriften 1864 . I . N . 5 : Das Wort des Besitzes . Zfiltschr . für Völkerpsych . lind Sprachw . Bd . XII . 2 . 9