Poesie und Prosa . Von •£>♦ Steinthal . In einem früheren Aufsatzes habe ich das Verhältniß zwischen Stoff und Form der Rede näher zu bestimmen gesucht . Ich war aber mit der Analyse der betreffenden , so mannichfach in ein - ander verschlungenen Elemente dort nicht zu Ende gelangt . Das damals gegebene Versprechen , den fallen gelassenen Faden des Knäuels von Bestimmungen , welche das Wesen des Styls be - Bingen , wieder aufzunehmen , will ich heute einlösen : wie sehr ich auch fürchte , daß ich mit der Abwickelung nicht weit gelangen werde . Es wird doch wohl zugestanden , daß wir uns auf dem Gebiete der Aesthetik bewegen . Wir streifen es nicht bloß ; nein , wir bearbeiten hier ein Stück desselben . Nun bilde ich wir nicht ein , daß ich alles , was für diese Wissenschaft bisher schon geleistet ist , völlig überschaute , und daß ich die wider - streitenden Ansichten betreffs der in ihr aufgetauchten Probleme vollständig und bestimmt erfaßt hätte . Ich fürchte jedoch keinen Widerspruch , wenn ich voraussetze , daß es kaum eine andere Wissenschaft giebt , deren ganzer Grund noch so schwankend ist , lvie der der Aesthetik . Dieser Sachlage entnehme ich das Recht , hier meine Ansicht vorzutragen , ohne Rücksicht darauf , ob sie ^eues bietet . Wir haben es hier mit der Redekunst zu thun . Nun wäre es geboten oder rathsam , vor allem die unerläßlichen Grund - begriffe zu bestimmen . Bevor gesagt werden kann , was Rede - funst ist , wäre zu erörtern , was Kunst überhaupt ist ; und be - dor die Gründe der Schönheit der Rede eingesehen werden ^nnen , müßte man wissen , was das Schöne im Allgemeinen * ) „ Zur Stylistik " , diese Zeitschr . Bd . IV . S . 465—480 . Zeitschx . für Völkerpsych . u . Sprachw . Bd . VI . J9