Das Epos . Von H . Steinthal . ^toch ist die epische Frage ( die homerische , die Nibelungen - Frage ) Gegenstand des Streites . Der Psychologie aber gehört hierbei das erste und das letzte Wort . Zwischen den beiden Enden freilich liegt die unabsehbare Reihe philologischer For - schnng . Hiermit wird ein rein sachliches oder begriffliches Ver - hältuiß , fern von jeder persönlichen Rücksicht , ausgesprochen . Es ist hier weiter nichts gesagt , als daß jede Ansicht über die Entstehung der homerischen Gedichte u . s . w . auf einem dichten Gewebe von allgemeinen Voraussetzungen und besonderen That - sachen beruht . Der Philologe mag darum wissen oder nicht — seine Ansicht hat eine allgemeine Seite , welche seiner Unter - suchung die Richtung angewiesen hat und seinen Ergebnissen den Sinn verleiht . Diese allgemeine Grundlage zu prüfen , zu klären , zu befestigen ist Sache der Psychologie und Aufgabe des vorliegenden Aufsatzes . Die Anhänger der verschiedenen Parteien werden gebeten , nicht vor allem danach zu sehen , auf welche Seite ich mich stellen werde , sondern ruhig abwartend und mit wohlwollender Theilnahme mich durch die folgenden Betrachtungen zu begleiten . Nun thue ich einen Schritt weiter , indem ich bemerke , daß es heute wohl Niemanden gibt , der nicht Homer und die Ni - belungen in mehr oder weniger unmittelbare Berührung mit der Volksdichtung brächte . Der Streit bewegt sich nur um das Verhältniß zwischen jenen großen Gedichten , wie sie uns heute handschriftlich vorliegen , und der ihnen zu Grunde liegenden Zeitschrift f . Völkerpsych . u . Sprachw . Bl> . V . 1