Buchbesprechungen 313 räte und Werkzeug; Kult, Kunst und Schmuck; Spielzeug; Transportmittel und Transportbe- hälter“ anhand von Abbildungen mit jeweils kurzen Erläuterungen verschiedene Recycling- Produkte vorgestellt, was dem Leser ermöglicht, sich nach den Erläuterungen im ersten Ab- schnitt der Untersuchung ein direktes Bild von den Erzeugnissen dieses Wirtschaftsbereiches zu machen. Allein diese und die sonstigen Abbildungen in der reich bebilderten und dadurch sehr anschaulichen Arbeit machen eine Lektüre für jeden (auch den nicht wissenschaftlich) interes- sierten Leser lohnenswert, denn sie vermitteln einen guten Eindruck von der Kreativität und den handwerklichen Fähigkeiten der Menschen in der Dritten Welt. An diesen Bilderteil schließen sich in dem dritten und letzten Abschnitt der Untersuchung fünf Länder-Fallstudien verschiedener Autoren an. Die analysierten Staaten sind: Sudan (Frank Bliss), Ägypten (Günter Meyer), Pakistan (Jürgen Grothues), Jemen (Udo Zeitz) und die Repu- blik Niger (Jürgen M. Werobel-La Rochelle). Es werden regionale und lokale Beispiele inner- halb der genannten Staaten dargestellt und erläutert, wodurch die im ersten Teil des Bandes nie- dergeschriebenen allgemeinen Bemerkungen zum Recycling veranschaulicht und verdeutlicht werden sollen. Dies gelingt auch, so daß man diese Arbeit durchaus als lesenswert bezeichnen kann, analysiert sie doch bislang in der entwicklungspolitischen Diskussion wenig beachtete Wirtschaftsbranchen. In den Ländern der Dritten Welt stellt das Recycling-Handwerk einen wichtigen Faktor in- nerhalb der jeweiligen Volkswirtschaft dar, welcher angesichts der wohl auch in Zukunft schwierigen Lebensbedingungen in den Entwicklungslàndern an Bedeutung noch zunehmen wird. Deswegen sollte er in den nächsten Jahren stärker als bisher in der wissenschaftlichen wie auch in der entwicklungspolitischen Diskussion Beachtung finden. Der Band „Einfälle statt Ab- fälle“ leistet einen gelungenen Beitrag dazu. Roman Poeschke White, L. A.: Ethnological essays. Edited and with an introduction by Beth Dillingham und Robert L. Carneiro. 389 Seiten, Albuquerque: The University of New Mexico Press 1987. Über manche Paradigmata wird nicht mehr gesprochen, Moden wechseln. So sind auch die Arbeiten von Leslie A. White (1900-1975) in Vergessenheit geraten, und der nun vorliegende Essay-Band sollte zumindest daran erinnern, daß sich eine Lektüre lohnt. Das Buch enthält Aufsätze und Diskussionsbeiträge von 1939 bis in die Mitte der 60er Jahre, sowie kurze Arbei- ten zum Evolutionismus aus den 40er Jahren oder die Diskussionen über den Begriff Kultur. Nach Whites Plàánen haben die beiden Nachlafiverwalter, die 1988 verstorbene Beth Dillingham und Robert Carneiro, den Band zusammengestellt, um so das verstreut publizierte Werk Whites zugänglich zu machen. Hier ist nicht der Platz, um White generell zu würdigen (s. dazu meinen Beitrag , Leslie A. White (1900-1975) in: Klassiker der Anthropologie, W. Marschall (Hg.) Miinchen: Beck’sche Verlagsanstalt 1990.) Evolutionisten sind zur Zeit eher out, werden nun vor allem in der Ethno- archäologie und prähistorischen Archäologie als Theoretiker wahrgenommen. Daß aber Aspekte der gegenwärtigen Diskussionen in den 40er und 50er Jahren auch von White verfolgt bzw. vorbereitet wurden, kann bei aufmerksamer Lektüre der hier vorgelegten Aufsätze nicht entgehen. Für die Geschichte der Völkerkunde ist der Band eine wichtige Zusammenfassung, ebenso für jeden, der jenseits von Kontroversen die Schwierigkeiten des Faches entdecken möchte.