Buchbesprechungen 299 Schwabe, J.: Die Tonfiguren der Hohokam und ihr zeremonieller Kontext. Studie zum prä- historischen Zeremonialismus des nordamerikanischen Südwestens. Arbeiten aus dem Seminar für Völkerkunde der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main, Bd. 20. 242 Sei- ten, 82 Abbildungen. Stuttgart: Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1989. Die Hohokam-Forschung wurde im Vergleich zu anderen Kulturen des Südwestens der USA jahrzehntelang vernachlässigt und wird teilweise immer noch sehr stiefmütterlich behan- delt. Der traditionelle Schwerpunkt der archäologischen Forschung konzentrierte sich auf die Pueblos der Mogollon und Anasazi im Norden. Erst mit der zweiten Ausgrabung von “Snake- town”, einer großen Siedlung am Gila River, durch Emil W. Haury in den 60er Jahren wurde das Interesse vermehrt auf die Kultur der Hohokam gelenkt, und es folgten sukzessive größere Ausgrabungsprojekte. Durch diese Vernachlässigung ergeben sich Lücken, sowohl was die Fundlage als auch was die Interpretation des archäologischen Materials angeht. Aus diesem Grunde liefert die vorliegende Publikation einen wichtigen Beitrag zur Hohokam-Forschung. Der Verfasser gibt eine sehr ausführliche und umfassende Darstellung zur Fund- und For- schungslage von Tonfiguren der prähistorischen Hohokam des Südwestens der USA. Es ist eine beeindruckende Zahl von Fundstücken bearbeitet und übersichtlich dargestellt worden!. Die sorgfältige Analyse des Materials führte zur ansatzweisen Interpretation der Funktion dieser Tonfiguren in der Gesellschaft der Hohokam. Sie ließ folgende Aussagen zu: Die Figuren der frühen Phase, namentlich der Pionierphase? (ca. 300 v. Chr.—500 n. Chr? bzw. ca. 400 n. Chr.—700 n. Chr.^) sind sehr wahrscheinlich mit einer rituellen Verwendung im Rahmen der Haushalte in Verbindung zu bringen. Dafür spricht einmal die große Zahl der ge- fundenen Figuren aus dieser Phase sowie die Tatsache, dafs sie hauptsáchlich in Abfalldeponien gefunden wurden. In den folgenden Perioden scheint sich die Funktion der Figuren verschoben zu haben. Sie scheinen nun eine gewisse Rolle im Bestattungsritual gespielt zu haben, da sie meist mit Brandbestattungen assoziiert waren. Die Anzahl der Figuren aus diesem spáteren Kontext ist jedoch vergleichsweise gering. In der letzten Phase der Hohokam, der Kolonialperiode (ca. 1100 n. Chr.-1450 n. Chr. bzw. 1150 n. Chr.—1450 n. Chr.) gibt es praktisch keine Figurenfunde mehr. Dies wird mit einer ge- nerellen drastischen Ánderung der Hohokam-Kultur in Zusammenhang gebracht. In dieser Phase manifestierten sich massive Einflüse aus dem Norden (Salado-Kultur, Pueblos). Es scheint sich vordergründig ein ziemlich klares Bild der Funktion der Tonfiguren zu erge- ben. Einschránkend mufi allerdings bemerkt werden, daß die vorliegende Interpretation von der Existenz eines weitgehend einheitlichen Zeremonialkomplexes ausgeht (vgl. S. 2), wobei offen bleibt, worauf sich diese Annahme gründet. Der Verfasser selbst schränkt die Aussagefähigkeit der Studie ein: „Die Zuordnung der Tonfiguren zum Zeremonialkomplex der Hohokam bietet nicht mehr als einen sehr allgemeinen Rahmen für eine solche Analyse. Aus dem gegenwärtigen Er- kenntnisstand über diesen Zeremonialkomplex ergeben sich keine ausreichenden Hinweise für eine nähere Bestimmung ihrer Funktion.“ 1 Die Fundstücke stammen hauptsächlich aus Siedlungsgrabungen. Einige Figurengruppen befinden sich in privaten Sammlungen, womit deren Fundumstände nicht geklärt sind. 2 Die vom Verfasser benutzten deutschen Bezeichnungen der chronologischen Phasen wurden hier beibe- halten. 3 Nach Gladwins (1937) und Haurys (1976) Chronologie. * Nach Rices Chronologie (1987).