Buchbesprechungen 291 circumstances. Not only do their idiosyncrasies stand out, but also their breaches of standards and norms and their approaches to coping with disadvantages brought upon them by themselves or into which they were born. Despite her concentration on individuals, Röttger-Rössler provi- des a useful description of the cultural principles in terms of which deviation is defined. Having expected to find considerable disagreement within the village about the criteria for the social evaluation of individuals, she surprised herself by revealing what she calls an astonishing con- sensus about these standards. She also shows how heavily they weigh on personal experience within the village. R. H. Barnes Schefold, R.: Lia. Das grofte Ritual auf den Mentawai-Inseln (Indonesien). 694 Seiten, Fotos, Graphiken, Karten. Berlin: Dietrich Reimer Verlag 1988. Nach einer Reihe von kleineren Publikationen über die Mentawai-Inseln wahrend der letz- ten 15 Jahre legt Reimar Schefold nun ein umfassendes Werk über die Sakuddei vor, eine ake- phale Gruppe von Feldbauern auf Siberut, der größten Insel des Mentawai-Archipels. Anders als der Titel des Buches zunächst vermuten läßt, analysiert der Autor nicht „nur“ ein einziges Ritual, sondern behandelt auch zahlreiche andere Aspekte der von ihm untersuchten Kultur, so daft das Werk — nicht zuletzt angesichts der Komplexitát der Interpretation des „großen Ri- tuals“ — den Charakter einer umfassenden Monographie gewinnt. Daß sich der Autor dabei kei- neswegs auf die rein deskriptive Ebene beschränkt, legt er gleich zu Beginn dar: Sein Ziel ist es, die „Ideen und Handlungsweisen der Sakuddei“ zu analysieren (S. 19), wobei schon an dieser Stelle vorweggenommen sei, daß das Ergebnis diesem hohen Anspruch voll gerecht wird. Schefold gliedert seine Darstellung außerordentlich detailliert (mit insgesamt ca. 250 Über- schriften!), was dem Leser ein häufiges Nachschlagen im Inhaltsverzeichnis abverlangt, um die Orientierung im Verlaufe des Werkes zu bewahren. Das Buch ist in sieben große Abschnitte un- terteilt, deren erster auf etwa 40 Seiten vor allem den theoretischen Hintergrund der Analyse, die Darstellung des Mentawai-Archipels in der Literatur, sowie die Beschreibung der For- schungsaufenthalte des Autors zum Gegenstand hat. Im zweiten Teil (230 Seiten) geht Schefold unter anderem auf geographische und historische Aspekte ein, um sich daraufhin einer ausführ- lichen Darlegung der Wirtschaftsform, der sozialen Organisation und der religiösen Vorstellun- gen zu widmen. Der dritte Teil (34 Seiten) bereitet den Leser in Form einer Darstellung des or- ganisatorischen und konzeptionellen Rahmens des großen puliaijat-Rituals auf den Hauptfokus des Buches vor. Eine sinnvolle Einfügung bildet hier die Zusammenfassung des komplizierten Ritualablaufes, die sich während der anschließenden detaillierten Beschreibung und Interpreta- tion des Rituals (Teile 4 und 5) als nützliche Orientierungshilfe erweist. Die Beschreibung des puliaijat-Rituals (166 Seiten) folgt Schritt für Schritt dessen tatsächli- chem Ablauf, wobei die Gliederung auf der Abfolge einzelner Sequenzen vom ersten bis zum letzten Tag des Gesamtereignisses beruht. Die Darstellung besteht hier im wesentlichen aus den (meist von Tonbandaufzeichnungen transkribierten) gesprochenen Texten und Liedern in wörtlicher Übersetzung, die in den Kommentar und die ergänzenden Schilderungen von seiten des Autors eingebettet sind. Im fünften Teil (132 Seiten) vollzieht Schefold schließlich die Inter- pretation des Rituals, wobei er in den Unterkapiteln „Die explizite Klassifikation“, „Die Ziele der Beschwörungen“ und „Gebote und Verbote“ zunächst eine symbolistische Interpretation genereller Elemente, Handlungen und Konzeptionen des Rituals vornimmt, um sich anschlie-