Zeitschrift für Ethnologie 115 (1990) seiner vorschnellen Verallgemeinerungen und seiner sonstigen Mängel ein wesentlicher Schritt dazu war, die Einstellung gegenüber den Afrikanern und anderen „Heiden“ zu ändern. Hierbei gab es immer zwei Richtungen. Tempels gehört zu denen, die in der Kultur — hier der „Philosophie“ — der anderen etwas Verschiedenes, aber Gleichwertiges sahen, Hulstaert sah mehr die Gemeinsamkeiten. Das scheint mir, trotz anderer Mängel der Position von Hulstaert und Boelaert (vor allem das Absolutsetzen der Philosophie des Thomismus), die zukunftsträch- tigere Richtung zu sein. Ernst Wilhelm Müller Borofsky, R.: Making history. Pukapukan and anthropological constructions of knowledge. Cambridge etc.: Cambridge University Press (1. Aufl. 1987), 3. (Paperback-)Aufl. 1990. Robert Borofsky hat ein — zumindest im Rahmen der ozeanistischen Ethnologie — sehr er- folgreiches Buch veróffentlicht, das nach seinem ersten Erscheinen im Jahre 1987, im Jahre 1989 schon eine zweite und im Jahre 1990 eine Paperback-Auflage erlebte. Dabei dürften die Zeitum- stánde, unter denen er es auf der Basis einer 1982 abgeschlossenen Dissertation verfafit hat, den Erfolg des Buches ebenso beeinflußt haben, wie er selbst von diesen Umständen bei seinen Überlegungen geleitet wurde. Bei diesen Zeitumständen handelt es sich um die Debatten, die sich an die von Derek Freeman 1983 begonnene Kontroverse mit Margaret Meads Werk über Samoa anschlossen. Die Kontroverse selbst sowie die Debatten darüber werden im Rahmen die- ser Buchbesprechung als in ihrem Kern bekannt vorausgesetzt. Mindestens zwei deutsche Eth- nologen haben sich an ihr neben einer kaum noch zählbaren Schar US-amerikanischen, australi- schen und neuseeländischen Kollegen beteiligt (Th. Bargatzky 1988, Th. Schweizer 1990). Am prägnantesten hat der Ethnohistoriker Greg Dening den Bezug von Borofskys Buch zur Freeman-Mead-Kontroverse und zu dem vom ersteren daraus gezogenen Gewinn in einer auf dem Buchumschlag publizierten Empfehlung formuliert: *This lucid, direct ethnography of an anthropological fact will refresh anyone wearied by the bombast of the Freeman-Mead contro- versy." Borofskys Mentor, Alan Howard, stellt dann in seinem *Foreword" den Unterschied zwischen Borofsky und Freeman klar. Für beide gilt die gleiche Ausgangsposition. Auf der Ba- sis eigener, sehr umfassender und vor allem linguistisch áufferst kompetenter Feldforschungen fanden sie heraus, dafs ihre Forschungsergebnisse teilweise erheblich von denjenigen differier- ten, die Vorgángerinnen und Vorgánger von ihnen an den selben Forschungsorten erzielt hat- ten. Während nun aber Freeman sich bemühte, mit dem Aufeinandertürmen von Datenmassen nachzuweisen, daß er im „Recht“ und Magaret Mead im ,Unrecht“ sei, nahm Borofsky die Feststellung dieser Diskrepanz zum Anlaß, der Frage nachzugehen, auf welche Weise die für jede Ethnographin und jeden Ethnographen unvermeidbar gegebenen verschiedenen Voraus- setzungen (“bias”), mit denen sie „ins Feld“ gehen, die Resultate ihrer Forschungen beeinflus- sen. Konkreter Ausgangspunkt für Borofsky ist die Entdeckung, daß ein für einen westlichen Ethnographen, wie er ihn repräsentiert, äußerst auffälliger und geradezu dramatischer temporä- rer Wandel in der Sozialstruktur der Einwohner von Pukapuka (einem Atoll in den Nördlichen Cook-Inseln im Zentralpazifik) anderen Forschern und Forscherinnen vor ihm offenbar nicht zur Kenntnis gekommen war. Dieses , Akatawa* genannte besondere Sozialphánomen besteht in einem temporáren Wechsel von der normalerweise üblichen territorialen Dreigliederung bei der Nutzung der Landressourcen des Atolls zu einer Gliederung in nur zwei Territorien. D. h.,