Buchbesprechungen 181 ausgelacht und meist nicht für voll genom ­ men. M. E. ein schöner Hinweis auf die Fehlkonstruktion des panreligiösen und ma ­ gischen Menschen. Die Vorstellungen vom Uranfang sind in ihrer natürlichen Naivität durchaus einleuch ­ tend. Damals war die Erde oben und der Himmel unten, und die Frauen führten Pfeil und Bogen, während die Männer die zuge ­ spitzten Sammelstöcke trugen. Dann aber griff Inschoko ein und ordnete diese ver ­ kehrte Welt — insbesondere schärfte er den Frauen ein, daß sie die Männer zu fürchten hätten!! Der Hase in der listenreichen Rolle des Fuchses begegnet uns auch hier. In den Er ­ zählungen von den zweierlei Vorbewohnern — einmal den bluttrinkenden Rinderzüch ­ tern ohne Hirse und den Gogotoko, die Menschenfresser waren und in Erdhöhlen hausten, spiegeln sich deutlich historische Er ­ eignisse, der Zusammenstoß mit den Masai, Tatoga usw. und vielleicht mit den Erbauern der versenkten Temben. Eine der schönsten Geschichten ist die von der Lehmpuppe, welche die kleinen Mäd ­ chen auf dem Rücken gebunden tragen, da ­ mit sie später Kinder erhalten. Zunächst sollte jedes Kind, das seine Puppe zerbrach, durch Unfruchtbarkeit gestraft werden. Auf den Hinweis der Alten, daß Kinder beim Spiel leicht die Puppe zerbrechen, gestattete Ischoko, daß eine mit Fett geweihte Puppe dem Kind erneut gegeben werden könne. Im Sozialen fällt die Leichtigkeit auf, mit der sich Mann und Frau begegnen. Auch die inzestuöse Geschwisterehe ist belegt — ohne jeden Anstoß zu erregen — hier allerdings nicht als Privileg, sondern als Ergebnis ei ­ ner vitalen „Grenz-Situation“. Diese Hinweise dürften gezeigt haben, daß wir Ludwig Kohl-Larsen zu großem Dank verpflichtet sind. Mit großer Liebe und Ver ­ ständnis hat er uns das geistige Bild einer Menschengruppe bewahrt, die heute vom Aussterben nicht allzu weit entfernt ist. Weil die Hadzabi sich geweigert haben, den Spei ­ chel Ischokos aufzuschlecken, hat er ihnen das Pori zur Heimat angewiesen, aber selbst die ­ ses wird Teil der großen Welt, in der für sie, wie für die Tiere, die alle einmal Menschen waren, der Platz immer enger wird. STURE LAGERCRANTZ: African methods of fire making. Studia Ethnographien. 78 S., mehr. Bildtaf. u. Karten. Upsalensiu X. Uppsala 1954. Mit dieser Untersuchung, die Bernhard Struck zum 65. Geburtstag gewidmet ist, setzt der Verf. seine systematischen Bemühungen um die Klärung kulturgeschichtlicher Pro ­ bleme Afrikas fort. Er tut dies mit einem er ­ drückenden wissenschaftlichen Apparat und mit einer Gewissenhaftigkeit, die es erlaubt, seine Arbeiten als sekundäre Quelle zu be ­ trachten. Methodologisch bewahrt Lagercrantz die alte Tradition, die bereits mit Ratzel begann, sich in Frobenius fortsetzte, aber im beson ­ deren von Ankermann, Gräbner, P. W. Schmidt, Lindblom und Baumann ausgebaut wurde. Das Prinzip dieser Methode, der Ver ­ breitung einzelner Kulturelemente oder auch Kulturkomplexe nachzugehen und hieraus historische Verknüpfungen und zeitliche Ein ­ ordnungen zu finden, besteht bis heute zu recht, wenngleich es nicht alle ursprünglichen Wünsche erfüllt hat. Nachdem sich der Verl, gegenüber fachlichen Angriffen, insbeson ­ dere der englischen Ethnologie zur Wehr setzt, sei mit Nachdruck betont, daß diese Methode ein bleibendes legitimes Verfahren darstellt. Sie entspricht in etwa dem anato ­ mischen Verfahren, einen bestimmten Teil sauber herauszupräparieren, um ihn dadurch morphologisch bestimmen zu können. Wenn auch heute die Tendenz zur „Physiologie“ nicht ohne zeitgeschichtlichen Grund vor ­ herrschend ist, so setzt diese immer still ­ schweigend „Anatomie“ voraus. Verbreitungsstudien sind immer etwas trocken und stellen erhebliche Ansprüche an die Selbstbescheidung des Verfassers. Das Erträgnis der Arbeit schlägt sich in den Kar ­ ten und in den letzten Schlußfolgerungen nieder. Im einzelnen behandelt der Verf. folgende Feuergewinnungsverfahren: Den Drill-Bohrer, den Schnur- und den Bogen-Bohrer, die Feuerpumpe, den Feuer ­ pflug, die feste und die flexible Feuersäge, die Feuerspritze, das Feuerschlagen (Stein auf Stein und Stein auf Stahl) und schließ ­ lich die Zündhölzer, aus deren Verbreitung der Verf. mit Recht einen Hinweis auf die J. F. Glück