Buchbesprechungen 173 Kultur. Im einzelnen begreift er darunter die Babylonier und Assyrer, die Kanaanäer, die Hebräer, die Aramäer, die Araber und die semitische Kolonie in Afrika: Äthiopien. Wenigstens seit 3000 v. Chr. ist die semi ­ tische Sprache mit ihren drei Radikalen im vorderen Orient, in Syrien, Palästina, Ara ­ bien und Mesopotamien als alteinheimisch belegt. Die sprachliche Beziehung zu den Ha ­ miten wird kurz gestreift. Die Ausgrabungsfunde werden vom Verl, herangezogen, so daß er jeweils ein abge ­ rundetes Bild über Geschichte, Religion, Recht und Gesellschaft, sowie über die Lite ­ ratur und Kunst darbietet. Mohammed ist ein größerer Abschnitt gewidmet. Als gemeinsamen Ckarakterzug der alt ­ semitischen Kultur betont der Verf. das Über ­ gewicht der Religion gegenüber den ande ­ ren Kulturbereichen. Daraus erwächst die besonders im Christentum wirksam gewor ­ dene Vorstellung von der Universalreligion, die der alte Orient ursprünglich mit der Universalmonarchie verbunden hat. Den wohl größten Beitrag zur Kulturgeschichte leistete das Semitentum mit der Erfindung des Alphabets. Seine ungeheure Bedeutung aber gewinnt es durch die Tatsache, daß sich aus ihm Ju ­ dentum, Christentum und Islam erhoben. Wobei der jüdische Monotheismus in be ­ sonderer Weise geeignet war, die Religion von ihrem engeren Heimatboden zu lösen und universal zu werden. Eine Literaturübersicht und ein Namens ­ verzeichnis runden das informative Werk ab, das hiermit empfohlen sei. J. F. Glück GUDA E. G. VAN GIFFEN-DUYVIS: De Azteken. 208 S.. zahlr. Bildtaf., 2 Karten, 8°. Uitgeversmaalschappij Holland. Am ­ sterdam o. J. Unter den zahlreichen Büchern und Bild ­ bänden, die in den letzten Jahren über alt ­ amerikanischen Kulturen erschienen sind, darf diese holländische Veröffentlichung ei ­ nen besonderen Platz beanspruchen. Die Ver ­ fasserin - eine Schülerin Walter Lehmanns - geht nicht den Weg über das heute so gern angesprochene Interesse für exotische Kunst, um eine fremde, vergangene Kulturwelt dem Verständnis eines weiteren Leserkreises zu erschließen. Ihr vorliegendes Buch ist viel ­ mehr eine umfassende Darstellung der azte- kischen Kultur, eine Monographie im besten Sinne, die in knappen, aber klaren Strichen und mit allem Rüstzeug archäologischer und historischer Sachkenntnis ein ungemein an ­ schauliches Bild der letzten großen mexikani ­ schen Kulturepoche zeichnet, ihres geschicht ­ lichen Werdens und ihrer Zusammenhänge mit den benachbarten Kulturen Mesoameri ­ kas, ihrer wirtschaftlichen und sozialen Aspekte, ihres Kunstschaffens und vor allem der geistig-religiösen Welt, in der sie ruhte. Nach einem einführenden Kapitel, das mit dem „Schauplatz“, der geographischem Um ­ welt der aztekischen Kultur, sowie mit den wichtigsten frühspanischen Quellen bekannt macht, einen Abriß der Eroberungsgeschichte und einen kurzen Überblick über die Entste ­ hung des Aztekenreichs gibt, schildert die Verfasserin das alte Tenochtitlan, „Herz und Haupt“ von Montezumas Reich. Die folgen ­ den Abschnitte behandeln die wirtschaft ­ lichen Grundlagen der aztekischen Kultur, den gesellschaftlichen Aufbau des Staates mit dem Königspriestertum seines Herrschers, den Funktionen seiner Stände, der Priester, der Ge ­ lehrten, Krieger. Kaufleute, Ärzte, Künstler usw., das Rechtsleben und die Erziehung der Jugend. Das Kernstück des Buches bilden die Kapitel über Religion und Weltanschauung sowie über Schrift und Kalenderwesen. Ge ­ stützt auf eine souveräne Beherrschung des Stoffs, führt hier die Verfasserin in klarer und prägnanter Darstellung den vielgestal ­ tigen Kreis der aztekischen Götter vor und beschreibt in eindrucksvollen Bildern die kul ­ tischen Riten, die sich als Wiederholung mythischen Geschehens mit diesen Götterge ­ stalten verbanden und im Menschenopfer ihren Höhepunkt fanden. So wesensfremd uns die altmexikanische Religion in ihrer Erlebnissubstanz und ihren Vorstellungs ­ bildern immer sein mag; die Darstellung van Giffen-Duyvis’ verdeutlicht auch dem, der dieser fremdartigen Welt zum erstenmal gegenübertritt, welch dominierende Rolle Götterverehrung und Götterkult im Leben der Azteken spielten, und läßt ihn verstehen, daß hier die Intensität des Religiösen zur festen Klammer zwischen Priesterschaft und Volk geworden war. Ebenso klar wie sachlich zuverlässig behandelt die Verfasserin den