172 Buchbesprechungen also kein so einheitliches Bild bieten, wie man bisher angenommen hat. Der Verf. erklärt dies mit alten und langdauernden Kontakten mit anderen Elementen (We- diden, Melanesiden und Malayen), die auf ein einst übereinstimmendes Substrat ein ­ gewirkt haben. Die Verbindung zwischen Bambuti und Negrito stellt der Verf. mit Hilfe einer hypothetischen Grundrasse her. Die Bambuti hätten dann allerdings die Merkmale des Undifferenzierten stärker spe ­ zialisiert. Zusammenfassend dürfen wir feststellen, daß das vorliegende Werk durch die aus ­ führliche Darbietung des Expeditions-Ma ­ terials des Verf., sowie durch die einbe ­ zogenen kritisch verarbeiteten Daten der literarischen Quellen ein Werk von bleiben ­ der Bedeutung darstellt, für das vor allem die physische Anthropologie dankbar zu sein hat. Dagegen erscheint der Einordnungsversuch des Verf. nicht geglückt, zumindest können aus seinen Daten auch andere Schlüsse ge ­ zogen werden. J. F. Glück ALFRED HERMANN und MARTIN SCHWIND: Die Prinzessin von Samarkand. Märchen aus Aserbeidschan und Armenien. 148 S. Greven-Verlag, Köln 1951. Die neun Märchen aus dem islamischen Aserbeidschan und die vier Märchen der christlichen Armenier, die Hermann und Schwind vorlegen, sind völkerkundlich sehr aufschlußreich. Mit allen Märchen haben sie das Wunsch ­ denken und die Wunscherfüllung gemein ­ sam. Der starke Anteil höfischer Kultur ist nicht zu übersehen. Könige, Prinzen und Prinzessinnen stellen die Hauptfiguren. Ihnen werden allenfalls die Ärmsten der Armen (..Der kahlköpfige Sadem“, „Ahmed der Ver ­ rückte“) gegenübergestellt. Es gibt bösartige, zaubermächtige Riesen (Div), die durch die Luft fliegen können und die unter der Erde in mit Gold und Edelsteinen gefüllten Räu ­ men wohnen. Gelegentlich sind sie dem Tap ­ feren und Arglosen zugänglicher und lassen sich das verwirkte Leben durch die Lösung eines Rätsels abkaufen. Der oder die Schöne bezw. Gute werden belohnt. Dagegen wird die Dummheit, die sich z. B. darin äußert, daß einer ein Königreich und die Wunsch ­ perle ausschlägt, bestraft, (Der Wolfsmensch). Hierin äußert sich ein hochkulturlicher, kom ­ merzieller Zug. Sehr altertümlich wirkt der Verkauf eines Sinnspruches bezw. eines Traumes gegen reale Werte, wie z. B. gegen einen Teppich. Dies erinnert an das auch im naturvölkischen Bereich anerkannte geistige Eigentum, wo ­ bei Tänze und Musikdichtungen ebenfalls Gegenstand des Handels sein können. Die aus „Tausend-und-einer-Nacht“ be ­ kannte Vorliebe für die Zahl 40 findet sich auch in diesen Märchen. Reine Tiermärchen, in denen die Tiere wie Menschen handeln und sprechen, sind selte ­ ner („Die bärtige Ziege“ — „Der Hund und die Katze“), sie dürften einer älteren Schicht zuzuordnen sein, da sie bereits bei Wildbeu- tergruppen auftreten. In seiner abwägenden und kenntnisreichen Interpretation zeigt A. Hermann, daß in den Märchen des islamischen Aserbeidschan reali ­ stische Züge eine bedeutende Rolle spielen — während bei den christlichen Armeniern das Wunder stärker hervortritt, was offen ­ bar religiös bedingt ist. Im ganzen aber wird man sagen können, daß die Unterschiede — zumindest auf Grund der hier vorgelegten Auswahl gering sind. Dagegen ist dem Interpreten ein ethnolo ­ gisch äußerst interessanter Tatbestand ent ­ gangen — die im islamischen Bereich dop ­ pelt auffallende Rolle der Frau. Ihr wird nämlich im Anknüpfen von Liebesbeziehun ­ gen, wie in der Gattenwahl die Initiative eingeräumt. Man wird hier an die Vorrechte der fürstlichen Frauen der afrikanischen Feudal-Kultur erinnert. Den beiden Sammlern ist für ihre Mühe zu danken, mit der sie wertvolles Material in schwieriger Zeit geborgen haben. Die Aus ­ stattung durch den Verlag ist geschmackvoll. J. F. Glück SEBATINO MOSCATI: Geschichte und Kultur der semitischen Völker. 2. verb. Auflage, 218 S„ 32 Tafeln. Urban Bücher, 3. Bd.. W. Kohlhammer- Verlag, Stuttgart 1955. Der italienische Semitist behandelt in dem vorliegenden Bändchen die alte semitische