160 Buchbesprechungen — aber manch angeblicher Zauber hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte als etwas anderes entpuppt. Eine klare Differenzierung der ein ­ zelnen naturvölkischen Kulturen hätte den Autor sicher weitergeführt und ihn vor man ­ cher schiefen Darstellung und verallgemei ­ nernden Formulierung bewahrt. Diem kommt in diesem einführenden Ab ­ schnitt zu dem Ergebnis, daß der Sport kul ­ tischen Ursprungs sei, entstanden als Teil von Ritualen, z. B. bei Stammesfesten und Toten ­ feiern. Seine Formen seien von Anfang an Einzelleistung, Mannschaftskampf und Tanz gewesen, seine Ziele Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit, seine Aufgabe aber sei es gewesen, anzufeuern, zu erfüllen und zu bannen. Das ist gewiß richtig, aber es ist doch sehr die Frage, ob man — gerade beim anfänglichen Jägerleben des Menschen — nicht auch an eine Leibeserziehung ohne sakrale Hintergründe denken muß, wenn man die Verhältnisse bei rezenten Jägergruppen berücksichtigt. Trotz diesen Einschränkungen ist Diem wie für das ganze Buch, so auch für dessen erste Kapitel zu danken. Er hat damit nicht nur sich selbst, sondern jetzt auch uns eine Frage und eine Aufgabe gestellt. Man möchte seiner schönen Arbeit nur wünschen, daß in der nächsten Auflage die kleinen, aber doch stö ­ renden Fehler bereinigt sein mögen, die ihr jetzt noch anhaften. F. Kussmaul H. G. BANDI: Die Steinzeit. Baden-Baden: Holle-Verlag 1960. 256 S., mit zahlreichen Farbbildern, Zeichnungen und Karten (Kunst der Welt, die außereuropäischen Kulturen). Preis: DM 29.80. Der Verlag läßt in rascher Folge Band auf Band seiner großen Serie „Kunst der Welt, die außereuropäischen Kulturen“ erscheinen, die sich durch eine Fülle farbiger Abbildungen und einen hierfür ungewöhnlich niedrigen Preis auszeichnet. Sie ist naturgemäß in erster Linie für interessierte Laien gedacht, wird aber sicher auch vom Wissenschaftler zur Hand genommen, wenn es sich um Randgebiete sei ­ nes Faches handelt, oder wenn er Bildmaterial benötigt, das ihm sonst farbig nicht zugäng ­ lich ist. Das großzügige Verlagsunternehmen ist also gewiß verdienstvoll, zumal namhafte Gelehrte daran mitarbeiten, und verschafft Überblicke, die anders schwer zu erlangen sind. Daß nun auch die Steinzeit, wenn auch nur in ihrer Dokumentation durch Felsbilder, be ­ handelt wurde, ist zu begrüßen, auch dann, wenn man sich auf die Hauptgebiete be ­ schränkt und Peripheres fortgelassen hat. Al ­ lerdings zeigt gerade dieser Band Schwächen, die vor allem dadurch entstanden sind, daß 6 sehr verschiedene Autoren daran beteiligt waren, die überdies von so unterschiedlichen Voraussetzungen an ihre Aufgabe gingen, daß ein einheitliches und in allen Teilen gleich ­ wertiges Bild nicht entstehen konnte. H. G. Bandi, der auf dem Einband, nicht aber innen im Titel als Hauptautor oder Herausgeber erscheint, weist denn auch in seinem kurzen Vorwort auf diesen Mangel hin, ohne ihn dadurch beheben zu können. Die Franko-Kantabrische Kunst wird ge ­ meinsam von Henri Breuil und Lilo Berger- Kirchner behandelt. Vermutlich stammt der Text von der Schülerin, wurde aber vom Alt ­ meister der paläolithischen Forschung in Europa, Abbe Breuil, gutgeheißen. Die Dar ­ stellung ist klar und übersichtlich, berücksich ­ tigt auch schon so neue Entdeckungen wie die Höhle von Rouffignac und gibt im wesent ­ lichen das Bild, wie es als Lebensarbeit von Breuil und Obermaier auf uns gekommen ist. Die Gefahr, die eine übergroße wissenschaft ­ liche Autorität für die Forschung bedeuten kann, stößt dem Leser auf, wenn fast bei je ­ der Fundstelle die Meinung Breuils als der Weisheit letzter Schluß zitiert wird. Karten und geographisch geordnete Verzeichnisse der Fundhöhlen sind neben dem Bildmaterial nützliche und wesentliche Ergänzungen. Auch der Beitrag von H. G. Bandi über die Felsbilder der ostspanischen Levante unter ­ richtet in vorbildlicher Weise und gibt im wesentlichen den Standpunkt wieder, wie er in der klassischen Arbeit von Bandi und Maringer, Kunst der Eiszeit, Basel 1955, nie ­ dergelegt ist. Die Illustrationen sind auf ­ schlußreich, eine Karte und ein Verzeichnis der Fundplätze ergänzen die Arbeit. In sym ­ pathischer Gewissenhaftigkeit sind die Lücken unseres Wissens nicht verschwiegen, doch wird mit aller Vorsicht einer weiträumigen, noch nicht in allen Einzelheiten geklärten Bezie ­ hung zwischen der Felsenkunst Südeuropas und Nord- und Südafrikas das Wort geredet. Wenn der Autor feststellt (S. 95), daß nur Nordafrika diese Betrachtung erschwere, weil