Buchbesprechungen 159 Ringkämpfen und Laufwettbewerben spricht, erscheint dieser nicht-agonale Wesenszug des asiatischen Sports doch recht problematisch. Hier hat der Autor offensichtlich — um des einheitlichen Begriffs Asien willen — Kul ­ turen mit Kulturidealen heterogenster Art zusammengebracht. Seine Darstellung zeigt deutlich, daß zu unterscheiden ist zwischen dem hinduistisch - buddhistisch - taoistischen Raum und dem übrigen Asien, wobei selbst ­ verständlich in Mischzonen Mischformen ent ­ standen sind. Das gilt für China mit seinem alten iranischen Einfluß (via Sinkiang-Kansu) ebenso, wie für das shintoistische Japan und für das iranisch-türkisch beeinflußte Vorder ­ indien. Gerade hier wird deutlich, wie stark sich die einzelnen Religionen und ihre ver ­ schiedene Stellung zum Körperlichen auch auf die Entwicklung der Leibeserziehung ausge ­ wirkt haben. Das Training eines Arhat oder Yogi ist notwendigerweise grundverschieden von dem eines Polospielers. Aufs Ganze ge ­ sehen wird aus Diems Darstellung der Ver ­ hältnisse in Asien doch deutlich, daß in allen dortigen Hochkulturgebieten das Streben nach der Beherrschung des eigenen Körpers und das Training hierfür seit alter Zeit viel inten ­ siver ist, als etwa in Europa seit der Antike. Diem bemüht sich, bei der Darstellung der außereuropäischen Verhältnisse den Sport ein ­ zubauen in eine knappe Skizze von Ge ­ schichte und Kultur der betreffenden Gebiete. In seinem Asien-Kapitel sind dabei einige Fehler unterlaufen, die genannt werden sol ­ len: er sagt, daß die Induskultur seit der Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtau ­ sends von Ariern geschaffen worden sei. Wahrscheinlich ist sie etwa in dieser Zeit oder etwas später von Ariern zerstört worden. Die Arier waren keine Nomaden als sie in In ­ dien eintrafen, und erst recht keine Reiter. Eine „Hirtenzeit“ am Anfang der späteren Hochkulturvölker anzunehmen, ist nicht mehr gerechtfertigt, und das Reiten dürfte erst um frühestens 1400 vor Christus angefangen ha ­ ben, eine Rolle zu spielen. Auch ist nicht an ­ zunehmen, daß die Mitanni ihr Pferdetrai ­ ning von den Indern übernommen haben — es ist in seinen Ansätzen weit wahrschein ­ licher iranisch oder indo-iranisch. Schließlich kann man Tibet nicht als die Brücke bezeich ­ nen, auf der der Buddhismus von Indien nach China kam. Er hat seinen Weg vielmehr nörd ­ lich um Tibet herum genommen; das Schnee ­ land ist erst viel später missioniert worden. Von solchen kleinen Mängeln abgesehen ergibt die Darstellung der Hochkulturen Asiens, der dortigen Verhältnisse in Leibes ­ erziehung und Sport ein rundes, geschlossenes Bild. Das kann man im Hinblick auf die Naturvölker Asiens und das übrige Außer ­ europa nicht sagen, oder doch nur für die Schilderung einiger weniger Punkte. Der Autor hat sich alle Mühe gegeben, Material zusammenzutragen, aber zu einem einiger ­ maßen klaren Bild reicht es nur dort, wo von völkerkundlicher Seite Vorarbeit geleistet war. Daß das Kapitel „Urvölker“ so frag ­ mentarisch geblieben ist, ist also nicht seine Schuld, sondern eher die der Ethnologie. Aber daß diese Abschnitte ein Feld zahlreicher Irr- tümer, Unstimmigkeiten und kleiner Schön ­ heitsfehler sind, kann man andererseits uns nicht ankreiden: Der Begriff „Eskimo“ kann nicht für zirkumpolare Völker allgemein ver ­ wendet werden, wie dies immer wieder ge ­ schieht, und „Indianer“ gibt es nur in Ame ­ rika, nicht aber in Ozeanien, wo einmal von „Papua-Indianern auf Neuguinea“ gespro ­ chen wird. Im Ozeanienkapitel ist auch manch anderer Fehler unterlaufen: Häufiger werden Inselnamen als Stammesnamen verwendet oder solche als geographische Begriffe. Druck ­ fehler sind gerade in diesen Kapiteln beson ­ ders häufig und oft störend. Schade, daß der Autor offensichtlich diese Manuskriptteile nicht noch einmal selbst lesen konnte oder einem Fachmann vorgelegt hat. Dann wären auch manche andere ungebräuchliche Formu ­ lierungen unterblieben: Indonesien ist zu Ozeanien geschlagen (auch unter diesem Na ­ men) und in diesem Ozeanien treten dann als Ureinwohner u. a. auch die Vietnamesen auf. In Amerika werden auch die Hochkultur ­ völker als „Urvölker“ bezeichnet, was doch mindestens recht ungebräuchlich ist. Im Kapi ­ tel Altamerika sind auch die historischen Linien, wie sie der Autor darstellt, nicht ohne Kritik aufzunehmen. Dabei kommt Amerika im ganzen Urvölkerkapitel allein schon um ­ fangmäßig am besten weg (Ballspiel!). Die Benützung von mehr und vor allem neuer völkerkundlicher Literatur hätte man sich auch für das einführende Kapitel „Kul ­ tischer Ursprung“ gewünscht. Hier ist so oft die Rede von den Naturvölkern — als ob sie eine Einheit wären von den Jägern bis hin zu den frühen Hochkulturen (die einbezogen sind). Sicher haben Zauber, Magie im natur ­ völkischen Bereich überall eine Rolle gespielt