16 Jürgen Zwernemann Die Mpezo-Figuren sind ebenfalls Nagelplastiken in Tier- oder Menschengestalt. Sie zeichnen sich durch einen besonderen Kopfputz aus: eine Feder- oder Dornen ­ krone ist mit Hilfe eines Tuches am Kopf befestigt. Hauptcharakteristikum der Mpezo- Figuren ist offenbar, daß der auf dem Bauch befindliche Kasten, der die magische Substanz enthält, mit weißer Erde bedeckt ist. Die Mpezo-Figuren verursachen zahl ­ reiche Krankheiten, töten aber nur selten (Maes, 1930, 349; 1935, 22). Zur Mpezo- Figur gehört fast stets ein geflochtener Korb mit diversen magischen Ingredienzien. Dieser Figuren-Typ dient ebenfalls bösen Geistern (ndoki) als Sitz. Der dritte Typ, Na-Moganga genannt, soll Sitz guter Geister (nkisi) sein. Die Figuren dieses Typs haben die Heilung von Kranken zur Aufgabe. Das Vorhanden ­ sein von Zahndeformationen, Benarbung und bestimmten Kopfputzen läßt nach Maes daran denken, daß diese Figuren ursprünglich Ahnenbilder darstellen. Bei vielen Figuren dieses Typs sind die Arme nur etwa zur Hälfte dargestellt. Sie sind stets unbenagelt (Maes, 1930, 351 ff.; 1935, 25). Die Mbula-Figuren beschützen ihren Besitzer vor allem vor Zauberern. Sie sollen stets im Besitz von Häuptlingen sein. Ihr Charakteristikum ist, daß sie kleine Röhr ­ chen aus Holz oder auch aus Eisen tragen, in denen sich Pulver und kleine Eisen ­ teilchen befinden. Sie strafen die Widersacher ihres Schützlings durch Flintenschuß (Maes, 1930, 354; 1935, 31). Nur selten sind Nägel in Mbula-Figuren geschlagen. Nach den Funktionsangaben, die sich für wenige Figuren in den Unterlagen des Linden-Museums finden, erscheint es mir nicht möglich, die von Maes aurgezeigte Ein ­ teilung in allen Fällen anzuwenden. Ich bin nicht davon überzeugt, daß daran aus ­ schließlich die dürftige Dokumentation der Funktion unserer im Folgenden dargestell ­ ten Sammlungsgegenstände schuld ist. Auch typologische Erwägungen bringen mich zu diesem Schluß. Bei vielen Figuren sind die oberen Schneidezähne im geöffneten Mund sichtbar. Die Zähne sind fast immer deformiert. Sieben verschiedene Typen von Zahndefor ­ mationen lassen sich bei den untersuchten Plastiken feststellen (siehe Abb. 1). Am häu ­ figsten ist der Typ a vertreten. Alle Figuren haben (oder sollten ihn wenigstens haben) vor dem Bauch einen Kasten, der magisch aktive Dinge enthält. Als Material für diese Kästen gibt Maes (1935, 15) ein harziges Gemisch von bulungu, schwarzer Erde, weißem Lehm und rotem Pulver an. Bulungu wird an anderen Stellen (zum Beispiel Maes, 1935, 10) d e f g Abb. 1. Schematische Darstellung von Zahndeformationen der Spiegel- und Nagel ­ plastiken des Linden-Museums.