BERICHT ÜBER EINE REISE NACH FINNISCH-LAPPLAND lappischen Orten: Vuotso, Purnumukka (finnländi- sche Lappen); Wladjeno, Sommerdorf, „Moskwa“, Winterdorf, und Koltta- köngäs (Kolalappen). Im ganzen haben wir über 160 Gegenstände beieinander, wodurch die Kultur, be ­ sonders der Kolalappen, gut dargestellt wird. Auch hier 1 haben sich die Lappen natürlich ras ­ sisch nicht rein erhalten können, und es gibt Leute, die sich nicht im geringsten von uns unterscheiden. Andererseits ist die Zahl IO ' Vorra ' shaUS und m Dorfe Moskwa. der mongoloide Merkmale aufweisenden Personen doch recht groß, nur kommen auch hierbei gelber Hautfarbe und breitem Gesicht blaue Augen vor. Die Größe ist im allgemeinen auch nicht geringer als bei uns, man müßte aber, um da wirklich brauchbares Material zu erlangen, Messungen vornehmen. Die Kolalappen haben alle Häuser, sie führen aber trotzdem ein Nomadenleben das ganze Jahr hindurch. Die jährlichen Wanderungen sind jedoch ganz anders geartet als etwa bei den Jenissejern in Sibirien. Bei den Kolalappen ist der Winter die Jahreszeit der größten Seßhaftigkeit, in dem Sinne, daß man von Jagdausflügen immer wieder in das Winterdorf zurückkehrt, während die Jenissejer in der strengsten Winterzeit (Januar bis April) ihre größten Jagdzüge mit der gesamten Familie unternehmen, bis zu 300 und mehr Kilometern von den Sommerplätzen entfernt. Während aber bei den Jenissejern und auch sonst in Westsibirien die Familien den Sommer über zusammen verleben, ist bei den Koltlappen das Leben von Männern und Frauen in der Sommerzeit getrennt, da die Männer mit einem erwachsenen Sohn oder einer Tochter auf dem Eismeerfischfang sind, die Frauen aber an 1 Unser Aufenthalt in dem Winterdorf Moskwa war wegen Biging, kann ich nicht umhin, eine andere Meinung über der allgemein herrschenden freundlichen Stimmung von bestem Erfolge begleitet. Wir richteten uns wieder in einem Vorraum ein und besuchten alle einzelnen Familien, um nach alten Sachen zu fahnden. Zuletzt beschäftigten wir uns mit volksliterarischen Samm ­ lungen, die bei der Kürze der Zeit jedoch nur erste Ergebnisse bringen konnten. Beim Abschied gab uns das ganze Dorf das Geleit. Wir waren rechte Freunde geworden und hatten auch noch Bestellungen für Modelle von Booten zurückgelassen. Ich war gespannt, ob man uns auch wirklich diese Sachen nachschicken würde. Vier Monate vergingen, bis mir von dem Prior des Petschengaklosters, der sich liebenswürdigst bereit- erklärt hatte, die Weiterbesorgung der Gegenstände zu übernehmen, die Nachricht erhielten, die Sachen wären von dem Lappen Nikifor Kopytow ins Kloster gebracht worden und würden nunmehr zur Post gegeben werden können. — Auch unser Aufenthalt in dem stillen und beschaulichen Petschengakloster war für uns eine große Freude. Trotz meiner Hochachtung vor dem Beobach ­ tungstalent unseres Freundes, des Herrn Schriftstellers die Kulturarbeit des Petschengaklosters auszusprechen als er. Dieses Kloster ist wirklich ein Kulturfaktor ersten Ranges für die polaren Völkerschaften an der Eismeerküste gewesen und bildet für die Lappen auch jetzt noch eine wichtige wirtschaftliche Stütze. Be ­ zeichnend ist doch gewiß die Stimmung der Lappen selbst dem Kloster und seinen Insassen gegenüber. Wir haben ausschließlich echte Dankbarkeit und wirkliche Hochachtung vor den Mönchen vorgefunden, und wenn das Kloster und seine Einrichtungen nicht bestände, würden die Lappen bestimmt weniger zufrieden und auch weniger angenehm leben. Es ist so, daß wir in einer Reihe der uns näher bekanntgewordenen Mönche Menschen von dem alten russischen Schlag haben kennenlernen können, deren Wesen von so einfach- herzlicher Liebenswürdigkeit und Behutsamkeit war, daß der Verkehr mit ihnen ein rechtes Ausruhen und eine rechte Stärkung bedeutete. •— Über Geschichte und Leben des Klosters bereite ich eine besondere Arbeit vor, die demnächst fertiggestellt werden soll.