BERICHT ÜBER EINE REISE NACH FINNISCH-LAPPLAND 1 VON DR. HANS FINDEISEN, BERLIN MIT EINER ÜBERSICHTSKARTE UND 12 ABBILDUNGEN NACH AUFNAHMEN DES VERFASSERS Die Reise nach finnisch-Lappland 1 , die ich zusammen mit meiner Frau im Sommer 10^0 unternommen hatte, geht auf Anregungen zurück, die aus Gesprächen mit Herrn Curt Biging stammten, der finnisch-Lappland im Jahre 1928 bereist hatte und darüber ein sehr anschaulich geschriebenes Buch veröffentlichte („Inari. Eine Lapplandfahrt“, Büchergilde Gutenberg, Berlin 1929. 171 S.), das auch von finnischen Kritikern warme Anerkennung gefunden hat. Unsere Reise war ursprünglich auf drei Monate berechnet, jedoch waren wir in lappischer Gesellschaft nur vom 15. Juli bis zum 12. August, also knapp einen Monat. Der vorzeitige Abbruch unserer Arbeiten erklärt sich durch telegraphische Bitten der Not ­ gemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, Herrn Prof. Sauer-Freiburg auf einer Studien ­ reise nach der Krim, dem Kaukasus und Armenien zu begleiten, einer Aufforderung der ich nachkam, da sich daraus die Möglichkeit ergab, im Anschluß an die Reise mit Herrn Professor Sauer ethnographisch bei den Krimtataren zu arbeiten und eine Sammlung für das Berliner Museum für Völkerkunde anzulegen, in dem bisher nur einige zufällige Stücke von den Krimtataren vorhanden waren. 1 Eine kurze Übersicht über die Ergebnisse der Reise siehe in dem Führer durch die Sonderausstellung im Staad. Museum f. Völkerkunde: Krimtataren und Kolalappen, Staatl. Museen, Berlin 1930, S. 11—16. Die Literatur über die Lappen ist recht umfangreich und liegt besonders in schwedischer, norwegischer, deutscher, finnischer und russischer Sprache vor. Das zusammenfassende Hauptwerk ist das im Jahre 1873 erschienene: „Om Lappland och Lapparne“ von G. v. Düben, das jedoch eine Neubearbeitung unter Berücksichtigung der seitdem gewonnenen Forschungs ­ ergebnisse verlangte. Derjenige, der eine solche Aufgabe wohl am ersten bewältigen könnte, ist zweifellos der finnische Ethnograph und Lappenspezialist Itkonen, dessen Plan zu einer neuen und großangelegten Mono ­ graphie über die Lappen in der gesamten Fachwelt gewiß freudige Zustimmung und Ermunterung erfahren wird. Bei der Betrachtung der Lappen haben wir die schwedischen, norwegischen, finnischen und russischen zu unterscheiden, von denen die drei ersteren Gruppen näher miteinander verwandt sind, während die russi ­ schen oder Kolalappen sich schärfer von den übrigen abheben. Die Trennung zwischen diesen Stämmen geht dabei so weit, daß die finnischen Lappen (z. B. in Vuotso und Purnumukka) die Koltlappen als Renntierdiebe be ­ zeichnen, während umgekehrt die Koltlappen dasselbe von den „Filman“ genannten finnischen Lappen be ­ haupten. Man erzählte uns auch, daß früher beim Zusammentreffen von finnischen und russischen Lappen stets kriegerische Verwicklungen die Folge gewesen wären, und wenn sich im Walde zwei Männer trafen, einer den anderen zu töten versuchte. Vgl. über Lebens ­ weise und Charakter der Kolalappen die Schilderung Castrens in seinen „Reiseerinnerungen aus den Jahren 1838—1844“, herausgg. von A. Schiefner, St. Petersburg 1853, S. 125—135. — Das ethnographische Hauptwerk über die russischen Lappen ist die 1890 in den „Mitteilg. d. Ges. von Liebhabern der Naturkunde, Anthrop. u. Ethnogr.“ erschienene SchriftN. Charuzins: „Ruskie lopari“ (Die russischen Lappen). Moskau 1890. Vgl. darüber aus letzter Zeit die Äußerung von N. Poppe im Abschnitt ,, Ethnographische Erforschung der Lappen“ in seiner Arbeit: „Die ethnogr. Erforschung der finnisch-ugrischen Völkerschaften“ (russ.), S. 37—39 in „Finnougorskij Sbornik“, Leningrad, Akad. d. Wiss. 1928. — Im Jahre 1921 ist in Helsingfors eine finnisch geschriebene Monographie über die Koltlappen von Sa- muli Paulaharju erschienen; Kolttain mailta (Aus dem Lande der Kolalappen) 202 S. und vielen Abbildungen. l6 Baessler-Archiv.