BESPRECHUNGEN UNI) BÜCHEREINGÄNGE wähl, und dies Schema gemäß dem biogenetischen Grund ­ gesetz auf die Entwicklung der Menschheit als Ganzes angewandt. „Wir setzen. . . . die analogisierende Frucht ­ barmachung der Parallelisierungen Freuds. . . . ins Werk, indem wir die Entstehungsstadien der verschie ­ denen Künste gemäß der Entfaltung der Sexualziele innerhalb der Entwicklung des jungen Menschen ansetzen.“ „Ordnen wir nun die »Körper-Kunst« und die eigentliche Kunst in dieses Schema ein, so ergibt sich ein zeitlicher Vorrang der Körperkunst. Denn sie ist es, die der Beschreibung des Narzißmus entspricht“! (S. 153.) „Da .... die Haut im frühesten autoerotischen Stadium eine Rolle als erogene Zone spielt, so würde die Malerei also die verhält ­ nismäßig früheste Stufe der Künste bedeuten.— Die Architektur zeigte sich im Mutterleibsgedanken ge ­ gründet. Dieser erotische Gedanke ist aber nur innerhalb der Sphäre der Objektwahl denkbar. Also gehört die Baukunst zur verhältnismäßig spätesten Stufe(!) — Zwischen beiden Künsten steht die Plastik. Verbunden mit dem Phallus, hat sie innerste Beziehungen zum Autoerotismus und ebenso zur Objektwahl. So müssen wir wohl die Plastik dem Narzißmus zu weisen“ (S. 155.) Beider Aufstellung dieser phantasti ­ schen „Arbeitshypothese“ scheinen jedoch selbst S. Be ­ denken gekommen zu sein: „Allerdings darf zum Schluß eine prinzipielle Einschränkung nicht fehlen. Es gründet die vermutete Reihenfolge der Künste auf Daten, die wir lediglich der Entwicklung der Sensualität verdanken. Ob und inwieweit der Zwang äußerer Umstände und der eigene Erfindungstrieb das technische Konstruktions ­ vermögen, das den Baumeistern innewohnt, vielleicht (im Sinne unseres Schemas gesprochen:) vorzeitig angeregt hat (S. glaubt übrigens,, ,daß solche Verführung nicht ein ­ getreten ist“), steht jenseits dieser Überlegungen und ihrer Tragweite“. (S. 155-) Dieser letzte Passus zeigt das grundsätzlich halsche in der Position Sydows. Denn solange die theoretischen Prinzipien der Psychoanalyse in den Kulturwissenschaften nicht allgemein, wenigstens als fruchtbare Arbeits ­ hypothese, anerkannt sind (und S. weiß, wie wenig davon bis heute die Rede sein kann), geht es nicht an, so wie S. sich damit zu begnügen, ein in einem anderen Wissens ­ gebiet erarbeitetes Schema einfach „anzuwenden“ und die Frage nach der Berechtigung dieser Anwen ­ dung überhaupt nicht zu stellen bzw. sie als außerhalb der eigenen Aufgabe liegend zu erklären. Ranks „Psychoana ­ lytische Beiträge zur Mythenforschung“ und manche der Arbeiten Roheims haben die Ethnologen ja eben da ­ durch zu ernsthafter Stellungnahme gezwungen, daß sie zu zeigen versuchten, daß nicht nur die bisherigen Theorien völlig unbefriedigend sind, sondern daß die Eigenheiten des Materials selber psychoanalytische For ­ schungsmethoden geradezu herausfordern. Weicht man dagegen wie S. allen prinzipiellen Fragen aus (z. B. der Frage nach dem Verhältnis der von der Psychoanalyse als allgemeinmenschlich hingestellten Triebkräfte zu den besonders von der sogenannten Kulturkreislehre be ­ haupteten völlig verschiedenem Gehalt der einzelnen „Kulturkreise“), so darf S. nicht erwarten, daß man mit solch einer oberflächlichen Arbeit prinzipiell diskutiert, — man wird sich damit begnügen, die innere Haltlosig ­ keit so selbstgenügsamer „Anwendungen“ aufzuzeigen, wie das hier an Hand ausführlicher Zitate versucht worden ist. Darüber hinaus wäre es wichtig zu zeigen (wozu hier nicht der Ort ist), daß Sydows Konstruktionen auch vom Standpunkt der Psychoanalyse aus gesehen alles andere als einwandfrei sind. Wer, wie der Referent, von der grundsätzlichen Rich ­ tigkeit der psychoanalytischen Methode und von der Möglichkeit ihrer Fruchtbarmachung für die Kultur ­ wissenschaften und besonders auch die Ethnologie über ­ zeugt ist, wird es doppelt bedauern, daß ein so wichtiges Problem von S. so salopp behandelt worden ist. Er hat damit weder der Psychoanalyse noch der Ethnologie einen Dienst erwiesen. P. Kirchhoff. Büchereingänge. AB, Dr., Las Artes populäres en Mexico. 2 Bände. Mexico: „Cultura“ 1922. 4 0 . Backwell, H. F., The Occupation of Hausaland 1900— 1904. Lagos 1927: Gov. Pr. 80 S. 8°. Bolin, Sture, Funden av romerska Munt i det fria Ger ­ manien. Lund 1926: Skanska Centraltryck. 331 S. Bilag. 215 S. 2 Tab. 8°. Bulletin du Musée Ethnographique de Belgrade. Tome 1-2. 1926—27. Belgrad. (Serbisch.) Coomaraswamy, Ananda K., Geschichte der indischen und indonesischen Kunst. Aus d. Engl, übertr. v. H. Goetz. Leipzig: Hiersemann 1927. XII. 324 S. 128 Taf. 4 0 . 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