REISEN IM GEBIET DER AGUARUNA 71 Klettern. Beim Besteigen hoher und glatter Stämme befestigen sich die Indianer die Enden eines kurzen Stückes einer festen Liane an je eines ihrer Beine zwischen Fuß und Knöchel. Die Bucht, welche die Liane bildet, umschlingt beim Besteigen der Bäume einen Teil des Stam ­ mes und gibt ihnen so einen sichereren Halt, als wenn sie sich nur mit den Beinen halten wollten. Schnäuzen. Beim Schnäuzen umfassen sie den Unterteil der Nase mit Daumen und Zeigefinger und schnäuzen sich dann in die hohle Hand. Den Schleim schlenkern sie dann ab und reinigen die Hand an irgendeinem Gegenstand, teilweise auch ohne vorheriges Abschlenkern. Nie habe ich aber gesehen, daß sie-die Hand an ihren Kleidungsstücken gereinigt hätten. Sprechen. Beim Sprechen und Lachen halten sie häufig die hohle Hand vor den Mund, wie zwei der Indianer in der Gruppe rechts auf Abb. 7* Geraten sie in einem Gespräch in Eifer, dann spucken sie häufig dazwischen aus. Sehr merkwürdig sind die langen Reden oder Gebete, wie man sie nennen will, welche die Indianer des Morgens halten. Diese werden sehr schnell gesprochen, aber mit einem Tone, welcher von ihrem gewöhnlichen Gesprächston abweicht. Auch bei diesem spucken sie häufig aus und stampfen von Zeit zu Zeit mit einem Fuße (siehe Nankijukima 75). Ihre Verwunderung über irgend etwas geben sie durch ein sanft ausgesprochenes, lang gedehntes ,,gwä“ zu erkennen. Intelligenz. Obwohl es bei einem so kurzen Aufenthalt unter den Indianern nicht berechtigt scheint, ein Urteil über ihre geistigen Fähigkeiten abzugeben, so möchte ich doch nicht ganz und gar darüber schweigen. Die Indianer sind mir im allgemeinen ziemlich aufgeweckt vorgekommen. Besonders habe ich dieses bei Knaben von ungefähr 5—8 Jahren bemerkt. Ich kann sagen, daß einige ans unsere Wünsche förmlich von den Augen absahen. Treten sie später in das Mannesalter ein, so werden sie zurückhaltender. Für alle ihnen unbekannten Gegenstände legten sie das größte Interesse an den Tag, deren Gebrauch kennenzulernen. Kindlich freuten sie sich, wenn ich sie durch mein Zeißglas sehen ließ, das die entfernten Gegenstände wie zu ihren Füßen heranzauberte. Kriegswaffen. Wie das Blasrohr die Waffe für die Jagd ist, so ist die Lanze die Waffe für den Krieg. Zugleich ist sie eine Waffe der Etikette, denn ein Mann geht ohne seine Lanze nie aus dem Hause, und wenn es auch nur zum nächsten Nachbar wäre. Sie ist die Waffe der Mannes ­ würde. Bei meinem Besuche waren allgemein Lanzen mit eisernen Spitzen im Gebrauch. Die Spitze (Fig. 7) hat unten eine Tülle, in welcher der Schaft mittelst eines Harzes be ­ festigt wird. Die Lanze hat eine Länge von 2 1 / i —3V2 Meter. Die eisernen Spitzen sollen sie auf dem Tauschwege von den Indianern des oberen Senepa erhalten. Sie sollen aus Ecuador stammen. Die Lanze mit eiserner Spitze wird von den Aguaruna „Nänki“ genannt. Früher wurden Lanzen aus dem Holze der Chonta-Palme gebraucht, die auch noch vereinzelt verkommen. Ihre Spitze ist in der Form wie die eiserne, hat aber einen etwas konkaven Querschnitt; Schaft und Spitze bestehen aus einem Stück. Diese Chonta-Lanzen werden von ihnen mit dem Namen „Angös“ belegt. In allen Tambos fand ich aber auch Winchesterkarabiner vor, die sie von den Fi s- 7- Kautschuksammlern gegen Gummi eintauschten. Da sie aber gewöhnlich keine