~ i MM—— 46 JOHANNES WINKLER Zusammenstößen, nennt man „Hals“. Die beiden Punkte rechts und links von ihm „Schulter“ und die seitlich davon gelegenen Eckpunkte „Ellenbogen“. Der Mittelpunkt der ganzen Figur wird als „Nabel“ bezeichnet; zwischen diesem und dem „Hals“ ist die „Brust“, Daraus ergibt sich eine Auffassung der Figur des Spielplanes, wie sie uns von den Doppel ­ figuren von Bube, Dame und König bei den europäischen Spielkarten her geläufig ist. Da man sich die Kenntnis der tibetanischen Spielweise leicht durch den Bezug des Spieles von den Züllchower Anstalten verschaffen kann, sei hier nur die bataksche Spielregel angegeben. Der wichtigste Unterschied besteht darin, daß die Batak neben dem gewöhn ­ lichen Spiel mit 2 „Tigern“ (die den Kungser entsprechen) und 24 Jägern noch eine andere Form mit 3 Tigern und 28 Jägern kennen; außerdem besteht nur noch eine kleine Abweichung in der ersten Aufstellung der Figuren. Die „Tigerjagd“, wie ich das Spiel nennen möchte, weil die Batak die den Kungser entsprechenden Figuren als „babiat“, d. h. Tiger, bezeichnen, wird von 2 Personen gespielt und zwar, wie bereits bemerkt, entweder mit 2 Tigern und 24 Jägern oder mit 3 Tigern und 28 Jägern. 1 Aufstellung: Die 2 bezw. 3 Tiger werden in den Mittel ­ punkt der Figur des Spielbrettes gesetzt. 8 Jäger besetzen die den Mittelpunkt umgebenden 8 Punkte, die in der Figur mit einem Kreis bezeichnet sind. Die übrigen 16 bezw. 20 Jäger werden erst im Verlauf des Spieles eingesetzt. Die Aufgabe der Jäger ist es, die Tiger einzukreisen und in die Enge zu treiben, während die Tiger einen Jäger nach dem anderen durch Überspringen kampfunfähig zu machen trachten, so daß sie aus dem Spiele ausscheiden müssen. Ein Tiger kann einen Jäger nur dann überspringen, wenn ein Punkt hinter diesem Jäger unbesetzt ist, mit anderen Worten, er kann nicht in einer Figur des Usir Spieles. Große Richtung springen, in welcher 2 Jäger hintereinander stehen. Der Besitzer der Jäger muß also darnach trachten, die Tiger am Springen zu verhindern, indem er möglichst 2 Jäger hintereinander aufstellt. Der Besitzer der Tiger und der Besitzer der Jäger spielen abwechselnd. Einer der im Mittelpunkte auf gestellten Tiger beginnt, indem er über einen der ihn umringenden Jäger hinwegspringt. Bei diesem ersten Sprunge steht es in dem Belieben des Tigers, welchen von den 8 Jägern er wegnehmen will; im weiteren Verlaufe des Spieles darf aber der Tiger nur den Jäger „schlagen“, über den er gerade hinweggesprungen ist. Nach dem 1. Sprung des einen Tigers setzt der Besitzer der Jäger den ersten seiner 16 bezw. 20 Ersatzjäger ein, nach dem 2. Tigersprunge den 2. Jäger und so weiter, bis alle 16 bezw, 20 Ersatzjäger in das Spiel eingeführt sind. Sind alle Jäger eingesetzt, dann hat ihr Besitzer die Aufgabe, durch „Ziehen“, d. h. schrittweises Vorgehen von einem Punkt zum andern, die Einkreisung der Tiger zu erstreben. Schon beim Einsetzen der Ersatzjäger, dann aber auch weiter beim Ziehen, darf der Besitzer der Jäger den Tigern nicht in unbesonnener Weise Gelegenheit zum Springen bieten. Unter besonderen Umständen jedoch kann es für den Besitzer der Jäger ein Vorteil sein, wenn er einen oder mehrere seiner Jäger opfert, er kann nämlich damit einen Tiger verleiten, auf einen Punkt zu springen, wo er ihn leichter festsetzen kann. Der Besitzer der Tiger ist nicht gezwungen, jedesmal, wenn sich Gelegenheit dazu bietet, einen seiner Tiger springen zu lassen, vielmehr muß er jeden Sprung vermeiden, der für ihn nachteilig sein könnte. Wenn der Besitzer der Tiger an der Reihe ist, aber keinen 1 In den Landschaften um den Toba-See findet sich statt „babiat“ auch die Bezeichnung „gadja“ = Elefant.