Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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A. Originalarbeit. 
und umfasste den südlichen und mittleren Ural, wo die Russen zahl 
reiche, von den alten Tschuden hinterlassene Kupferwerke entdeckten, 
mit Spuren von Arbeit, sowie mit hölzernen, steinernen und kupfernen 
Erzeugnissen dieses Volkes. Vom Ural drangen die Kupfergeräte 
auch in das Gebiet der Kama und der Wjatka, wo einige alte Grab 
stätten (bei Ananjina, Kotlowka, Pjanobor) mit bei den Gerippen 
liegenden bronzenen Geräten (Celten, Kriegsbeilen, Dolchen u. s. w.), 
aber auch mit Waffen aus Eisen gefunden wurden. Die Kupfer 
industrie verband sich in Sibirien auch mit der Goldindustrie, wie 
die von dort stammenden goldenen Schmucksachen beweisen. Letztere 
sind zwar durch denselben Stil (Darstellungen von Tieren) charak 
terisiert, scheinen sich aber schon auf eine spätere Epoche zu beziehen. 
Dieser Stil der Schmucksachen, der auch in Vorderasien und 
im Kaukasus eine hohe Entwickelung erlangte, übte in der Folge 
(zur Zeit der grossen Völkerwanderung) einen bedeutenden Einfluss 
auf die Kunstindustrie Westeuropas und zum Teil auch Russlands 
aus, der sich in dem sogenannten „Tierornament“ vieler Denkmäler 
der Baukunst und kleiner Erzeugnisse bekundete. Die ältesten Grund 
lagen dieses Stils muss man in den Ländern östlich am Mittelmeer 
suchen; von hier breitete er sich weiter aus und erlangte sowohl 
in Griechenland als auf dem Kaukasus eine selbständige Bearbeitung. 
Die vorhistorischen Altertümer des Kaukasus lenkten im Ganzen 
erst vor 20 Jahren die Aufmerksamkeit auf sich. Ende der 70. Jahre 
machte Bayern interessante Funde auf dem Grabfelde von Samtawro 
bei Mzchet und G. D. Filimonow veranstaltete bemerkenswerte Aus 
grabungen bei der Station Kasbek und auf der Kobanschen Grab 
stätte, in Ossetien. Hier wurden Spuren einer originellen Kultur 
entdeckt in zu den Toten gelegten Waffen und Schmucksachen, haupt 
sächlich aus Bronze. Die gekrümmten (d. h. auf der Seite, mit in 
den Knieen gebeugten Beinen liegenden) Gerippe haben neben sich 
schöne, elegante, geschweifte Beilchen, manchmal geschmückt mit 
Ornament und mit Abbildungen von Tieren, flache Dolche, Gürtel 
mit bronzenen Agraffen, grosse bogenförmige Fibeln (Broschen) 
zum Zusammenhalten der Kleider, grosse schaufelartige Stecknadeln 
um den Kopf, verschiedenartige Gehänge von Bergwiddern und Berg 
böcken, Hirschen, Pferden u. s. w., spiralförmige Armbänder, massive 
Armspangen, verschiedenartige Perlen, thönerne, mit Ornamenten 
versehene Krüge und Töpfe u. s. w. Diese merkwürdigen Grab 
stätten, die den Gegenstand der Forschungen des Grafen Uwarow, 
Antonowitschs, Virchows, Chantres u. a. bildeten, weisen zum Teil 
Spuren eines hohen Altertums auf, das nach Virchow, Chantre, 
Montelius bis zum 10.—13. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht; in
        

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