Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

A. Originalarbeit. 
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vielen Gebieten dem Anschein nach ein kupfernes Zeitalter früher 
als das bronzene. Die irgendwo in Уorderasien erfundene Bronze, 
die viele Vorzüge vor dem Kupfer hatte, drang zu vielen noch in 
der Steinzeit stehenden Völkern. Händler brachten elegante bronzene 
Schwerter, Beile, Lanzenspitzen u. s. w. an die Küste des Baltischen 
Meeres und tauschten sie dort gegen Bernstein und wertvolle Felle 
um. Im europäischen Russland breitete sich die Bekanntschaft mit 
Kupfer und Bronze auf verschiedenen Wegen aus: teils kam sie vom 
Südwesten und Westen — aus den griechischen Kolonien am Schwarzen 
Meer, aus dem Donauthale und aus Skandinavien, teils von Osten 
— aus Sibirien und aus dem Lande am Ural, teils von Südosten — 
aus dem Kaukasus. 
Der westliche Einfluss war ziemlich schwach; Spuren desselben 
lassen sich feststellen — in Finland, Polen, Podolien — in den 
Kunden von Bronzewaffen (Gelte, Paalstäbe, Schwerter, Sicheln u. s. w.) 
westeuropäischer Typen, in den steinernen Formen zum Giessen von 
Kelten, Sicheln, Lanzenspitzen (im südwestlichen Russland), in der 
weiten Verbreitung von Bronzepfeilen. Aber im Dnjeprgebiet ist 
das Bronzezeitalter überhaupt nur schwach vertreten und hat dem 
Anschein nach keine selbständige Industrie hervorgerufen, obgleich 
^a und dort im südlichen und mittlern Russland in den Gräbern 
aad Schätzen Funde von Steinwaffen gleichzeitig mit Bronzewaffen 
Vorkommen, und zwar solche der einfachsten Typen, z. B. geschmiedete 
dache, blattförmige Lanzenspitzen. Die Gräber dieses ursprünglichen 
Kronzezeitalters, wie auch die der Steinzeit, waren in Südrussland 
durch Gerippe charakterisiert, die in gekrümmter Stellung begraben 
u, id häufig mit rotem Ocker gefärbt sind — ein Gebrauch, über den 
S( dion viele Vermutungen ausgesprochen worden sind und der dem 
Anschein nach dafür Zeugnis ablegt, dass die Knochen erst nach 
der Zerstörung der Weichteile gefärbt wurden. Im nördlichen 
Kaukasus sind Spuren dieses Gebrauchs auch in den Gräbern einer 
s Pätern Zeit gefunden worden. 
Der östliche Einfluss kam aus Sibirien, wo, besonders im 
Minussinsker Land, die Kupferindustrie einst in grossem Umfang 
blühte. In den dortigen eigenartigen Gräbern, wie auch schon einfach 
ai A den Feldern sind Tausende von gegossenen Werkzeugen, Celten, 
^eisseln, Hacken, Messern, Dolchen u. s. w. gefunden worden, zum 
e ü verziert mit Abbildungen von Tieren — Bergböcken, Hirschen, 
Greifen u. a. — zuweilen auch im Verein mit Stein Werkzeugen oder 
^ Puren von Eisen. Diese alte Kultur irgend eines Türkenvolkes, 
le sich wahrscheinlich unter dem Einfluss des Südens auf einem 
Hn Kupfer reichen Boden entwickelt hatte, war auch im Altai verbreitet
        

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