Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Urgeschichte. 
ägyptischer Alabasterdeckel mit der Kartouche des Hyksoskönigs Khyan 
(19.—17. Jht.) ist für die Datierung des ganzen Palastes wichtig. Er 
wurde in einer Schicht gefunden, welche unmittelbar unter den mykenischen 
Fundamenten liegt; dieselbe Schicht enthält zahlreiche Fragmente von Stein 
vasen, die sich in Form und Ornament von denjenigen des entwickelten 
mykenischen Stils unterscheiden. Ferner wurde ein Thongefäss mit einer 
eingeritzten Inschrift gefunden und zwar in demselben Raume wie eine 
Anzahl Thongefässe vom Charakter der prämykenischen Kamares-Keramik; 
letztere reicht demnach mit ihren Ausläufern bis in die mykenische Zeit. 
Von den sonstigen Funden seien hervorgehoben: das Freskobild eines 
Mädchens, ein Relief eines Faustkämpfers, ein grosses Steingewicht mit 
Reliefdarstellungen von Tintenfischen, eine reichverzierte riesige Stein-Amphora 
von 69 cm Höhe und 2*^ m Umfang sowie die Überreste eines prachtvollen 
Spielbrettes aus Elfenbein und Gold mit Einlagen von Bergkrystall, Silber 
platten und blauem Glasfluss. Br. A. Götze-Berlin. 
65. A. J. Evans: The Mycenaen tree and pillar cult and its 
mediterranean relations. With illustrations from recent 
Cretan finds. London, Macmillan, 1901. 8°, XII, 106 S. 
Die neuen Ausgrabungen auf Kreta, die nach den verschiedensten 
Richtungen hin von grösstem Interesse sind, lassen auch auf eine im allge 
meinen schwer zu deutende Klasse von Denkmälern erwünschtes Licht fallen, 
nämlich auf gewisse Gegenstände des religiösen Kults. Es ergeben sich 
jetzt, wie Evans in überzeugender Weise darlegt, Beziehungen des alten 
Baum- und Pfeilerkults zu Darstellungen von Altären, Doppeläxten, den 
„horns of consecration“, den heraldischen Tieren nach Art des Löwenthor- 
Reliefs und schliesslich auch zu megalithischen Bauten. Hiervon ist für 
die Prähistorie von der grössten Bedeutung, was E. über die horns of conse 
cration sagt. Das sind Figuren in Form zweier von einer Basis aufstrebender 
Hörner, von denen eine Menge Beispiele aus dem mykenischen Kulturkreise 
beigebracht werden. Sie bilden häufig die Unterlage, gewissermassen einen 
Sessel für heilige Bäume oder Pfeiler, oder auch für die Doppelaxt, das 
Symbol des kretischen Zeus; sie stehen so einerseits — als Träger der 
Gottheit — in Beziehung zu dem Reichelschen Thronkult, andrerseits zu 
den ebenfalls in mykenischer Zeit vorkommenden Stierköpfen mit der Doppel 
axt zwischen den Hörnern. Gewisse symbolische Gegenstände, wie eben 
die Doppelaxt, erscheinen als sichtbare Personifikationen der Gottheit und 
werden so selbst Objekte der Yerehrung. Die Doppelaxt führt weiter zur 
Erklärung des Labyrinthes. Labrys ist nämlich nach E. der lydische (oder 
karische) Name für das griechische TceÄexu^, die zweischneidige Axt; das 
kretische Labyrinth wäre also „das Haus der Doppelaxt“. Yon hohem 
Interesse^ für die Kenntnis des mykenischen Kults ist ein im Palaste von
        

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