Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Urgeschichte. 
von Nüsch in seiner zusammenfassenden Abhandlung berücksichtigt wurden. 
Vom Ref. ist noch ein Beitrag „Über die Thonscherben der neolithischen 
Schicht der Niederlassung am Schweizersbild“ hinzugekommen, und sämtliche 
Mitarbeiter haben zahlreiche dem gegenwärtigen Stande ihres Faches ent 
sprechende Zusätze gebracht. — Von dem sogen. Kommandostabe mit 
Ritzzeichnung von zwei Wildpferden ist eine vortreffliche Abbildung auf 
S. 97 gegeben. In der ersten Auflage ist derselbe noch in Trümmern, so 
wie er gefunden wurde, dargestellt. Die Zusammenfügung desselben gelang 
durch Auffindung eines den Ring oben schliessenden Stückes, welches weit 
weg von dem Hauptstücke in der Niederlassung lag und erst später erkannt 
wurde — ein untrüglicher Beweis für die Echtheit des Gegenstandes. 
Nüesch schliesst sich der im Anz. f. Schweiz. Altertümer 1901, Heft 1 
vertretenen Ansicht an, dass diese sog. Kommandostäbe nichts anderes sind 
als Fibeln, welche zum Zusammenhalten der Felle auf der Brust unterhalb 
des Halses dienten, und es dürfte an der Zeit sein, die Bezeichnung 
Kommandostab durch Fibula palaeolithica zu ersetzen. Es würde zu 
weit führen, auf alle die Gegenstände, die in der neuen Auflage des 
„Schweizersbild“ vollkommener oder neu abgebildet und beschrieben sind, 
hier einzugehen. 
Hinsichtlich der Fauna sind inzwischen auch in anderen Teilen Mittel 
europas (Deutschland, Böhmen und Belgien) Funde von Fossilresten, namentlich 
kleiner pleistocäner Wirbeltiere gemacht, die unsere Kenntnis über dieses 
Gebiet bedeutend erweitern und die in der ersten Auflage geäusserte Auf 
fassung über die klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas in postglacialer 
Zeit bestätigen. Auch in Beziehung auf den geologischen Teil „Die Glacial- 
bildungen um Schaffhausen und ihre Beziehungen zu den prähistorischen 
Stationen des Schweizersbildes und von Thayngen“ kann A. Penck seine 189G 
geäusserte Ansicht über das Alter derselben in der Hauptsache durchaus 
aufrecht erhalten. Nur haben sich inzwischen mancherlei Beobachtungen 
ergeben, welche das Bild der Quartärbildungen um Schaffhausen weiter 
präcisiren. So zieht der Verf. seine Zweifel am Vorhandensein zweier 
Deckenschotter in dortiger Gegend zurück und gelangt zu dem Schlüsse, 
dass sich auch hier fluvioglaciale Bildungen von vier Eiszeiten unterscheiden 
lassen. Ob das Schweizersbild von der letzten Vergletscherung noch erreicht 
wurde, ist dem Verf. heute nicht mehr ganz sicher. Weitere Belehrung 
über diesen Gegenstand ist in der Penckscheu Nachschrift zur zweiten 
Auflage zu finden. Diese reiht sich in jeder Beziehung würdig an die 
erste au, die dem Entdecker des Schweizersbildes bereits aus allen mit der 
Anthropologie Fühlung habenden Kreisen die weitgehendste Anerkennung 
brachte. jDr. Otto Schoetensack-IIeidelberg.
        

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