Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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ß. Referate. Ethnologie. 
Bezeichnung der Erde allein dienen, so müssen diese beiden Symbole gleiche 
Bedeutung haben, d. h. also die Erde als „feurige (vulkanische) Masse“ 
und analog dazu der Kosmos als von Lichtkörperchen erfüllt, gedacht 
werden, deren Koncentration die sichtbaren Lichtquellen Sonne, Mond und 
Sterne bedeute. Die Erde wurde als Heimat des Feuers angesehen, denn 
die Kleidung der Erdbebengöttin Teteoinnan ist von Schmetterlingen übersät 
und den Schmetterling tragen die Erdgöttinnen, als Nasenschmuck. Auch 
schüren beim Feste des Feuerreibens, von dessen Gelingen die Existenz 
der Sonne abhing, Priester der Erdgottheiten das Feuer, und das Brennholz 
schaffen Erd- und Fruchtgottheiten herbei. Das weitere behandelt das 
Kreuz, das nichts weiter als die vier Richtungen bezeichnet (geht deutlich 
aus Cod. Fejervary 44 hervor) und dessen Strahlen deutlich auf Licht 
strahlen zurückgehen, und wird deren Beziehung zu der Sonne durch das 
Tonalo-Emblem hergestellt. Dabei ist jedoch nur an die 4 Strahlenrichtungen, 
die ein Symbol der Erde sind, zu denken, womit stimmt, dass das Emblem 
nur Erdgottheiten (Chicomecoatl — Maisgöttin; Opochtli —Wassergott; Macuil- 
xochitl und Ixtlilton) zukommt. Die Kreuze selbst zerfallen in drei Typen: 
1. aus zwei dünnen, kurzen, sich kreuzenden Strichen bestehend (bei den 
Berg-, Wasser- und Fruchtgottheiten, auch bei einigen Todesgöttern), 2. auf 
recht und breiter als Typus 1, oft von weisser Farbe (bei Todes- und Erd 
gottheiten, bei der Erdgöttin Hamatecutli, bei Xipe, Macuilxochitl und 
nächtlichen Xolotl-Gestalten, die Macuilxochitl nahe stehen, während Quetzal- 
coatl dasselbe wohl in seiner Eigenschaft als Windgott trägt) und 3. das 
breite, liegende Kreuz, das selbst auf dem Kreuzungspunkte etwas trägt 
(bei der Erdgöttin Teteoinnan und den ihr nahestehenden Ciuapipiltin, bei 
Macuilxochitl, bei Quetzalcoatl als Skelett, also in seiner Beziehung zu den 
Todesgottheiten und bei Tezcatlipoca. Was nun die Schnecke (Strombilus 
spec.) betrifft, so findet sich dieselbe entweder in ganzer Ausführung bei 
Erdgottheiten und erklärt sich dieselbe hier mit Cod. Teil. R. als Symbol 
des Mutterschosses (der Mensch komme aus demselben so hervor wie die 
Schnecke) i. e. Erdschoss, Erdinneres; oder als Schneckendurchschnitt auf 
den Spinnwirteln (den Erdgöttinnen als Beschützerinnen des Spinnens 
zugehörig) sehr häufig und ebenso auf Darstellungen der Erdgottheiten 
entweder als Querschnitt oder als Ableitung (abgestufte und einfache 
Spirale), und ist auch hier die Deutung als Erdschoss, Erdinneres deutlich: 
anders aber ist es beim AVindgott Quetzalcoatl, einer Gestalt, die ziemlich 
dunkel ist, wo nach Cod. Vat. A. (Bl. 7) und dem Sahagunmanuskript 
der Schneckenquerschnitt (ecailacatz-cozcate = spiralig gedrehtes Windge 
schmeide) der Wasserwirbel, den dieser Gott erzeuge, symbolisieren solle, 
doch macht es uns Preuss auch hier wahrscheinlich, dass Quetzalcoatl zu den 
Erdgöttern, war er doch kulturbringender, weltlicher Flerrscher von Tula, 
gehöre, dessen Windfunktion sich vielleicht daraus erklärt, dass sein Vater
        

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