Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Urgeschichte. 
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behandelnd; die Abbildungen, wo solche beigegeben werden, sind durchaus 
nicht immer einwandfrei, stellenweise unbrauchbar. Nach des Ref. Ansicht 
wird er zu allgemein, statt zunächst einmal genaue Detailbeschreibungen 
zu geben. Zu allgemeinen Schilderungen wird man erst berechtigt sein, 
wenn mehr genaue Fundberichte für die einzelnen Gräber vorliegen. Ref. 
suchte diesen Fehler durch sorgfältige Aufzählung und Abbildung der Stücke 
in Form eines simplen Kataloges zu vermeiden. 
Im allgemeinen ist die Kultur von Jujuy ähnlich der Calchaqui- 
kultur und Berührungen haben zweifellos stattgefunden. Auffallend ist das 
Fehlen der grossen, für die Calchaqui charakteristischen Gefässe mit Kugel 
bauch und hohem, breitem, oben ausladendem Halse. Die wenigen aus Jujuy 
bekannten Kupfer- und Steinartefakte haben durchaus keinen lokalen oder 
typischen, sondern einen allgemein andinen Charakter, der sich bis nach 
Ecuador zu findet. Was sonst aus Jujuy bekannt ist, ist aus leicht ver 
gänglichem Materiale, Holz, Wolle etc., das sich dank einem geeigneten Klima 
in den Berghöhen Jujuys prächtig erhalten hat; man kann ein wenden, im 
Calchaquithale ist solch alles längst vergangen, sonst würde man es finden. 
Dann müssten sich aber in Jujuy mehr Ähnlichkeiten in Bezug auf Stein 
objekte und Thongefässe ergeben, als es bis jetzt der Fall ist. Die ganze 
Frage erscheint dem Ref. noch nicht spruchreif, bis aus Jujuy mehr Material 
und genaue Fundberichte, namentlich aber Wohnstättenanlagen bekannt sind 
und im Calchaquithale an Stelle des alles verwüstenden Raubbaues von 
unberufenen und ungeschulten Abenteurern systematische Forschung ge 
treten ist. 
Bemerkenswert unter den leicht vergänglichen Altertümern Jujuys 
sind prächtige Holzschnitzereien, namentlich eine Art Cigarrenspitzen mit 
in Relief geschnitzten Yampyrköpfen oder Tierkörpern, in welchen Bündel 
zusammengebundener Nadeln aus Disteln stecken. Ref. vermutet darin 
ein Instrument zum Skarifizieren mit nachfolgendem Schröpfen durch An 
saugen. Ferner kleine Schüsselchen mit schönen Schnitzereien, welche nach 
Ambrosetti zum Darbringen von Opfergaben dienten. Aus Holz sind ferner 
Bogen und Pfeil, die Spitze der letzteren Stein oder auch Holz, ferner 
Löffel und Spachteln, Spindel und Wirtel, Gebisse für Lamas, Tassen und 
kleine Döschen; aus Knochen sind Falzbeine und Büchschen; aus Wolle 
allerhand Gewebe, darunter ein sehr schöner Gürtel mit Zickzackornament, 
eine Mütze und verknotete Schnüre zu unbekanntem Zwecke. Eine Kopf 
bedeckung in Form eines Strohhutes ist aus den teilweise der Länge nach 
halbierten Puppenhülsen eines Insektes angefertigt; ein Poncho aus Bast 
fasern gewebt mit Lamawollzotten darin, sodass diese daran wie an einem 
Yliess herunterhingen. Eine Prunkaxt steckt noch mit Leder befestigt am 
Holzstiel. Die Thonsachen sind meist einfache Schüsseln und Tassen. Aus 
Bast sind auch Stricke und Zäume, die eine auffallende Frische aufweisen.
        

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