Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

338 
B. Referate. Anthropologie. 
12 mm, um später immer mehr und mehr abzunehmen. Ähnlich verhält 
es sich mit der Höhendistanz zwischen der Schamhöhe und dem grossen 
Trochanter. G.-R. wendet sich nun gegen jene Anthropologen, welche das 
Zurückbleiben der Maasse am weiblichen Körper hinter jenen des männlichen 
als Infantilismus auffassen wollen, sowie gegen alle polygenetischen Hypo 
thesen überhaupt. Er versucht auch die spezifisch weibliche Schädelform 
auf Entwickelungsverschiedenheiten des Gehirns bei den beiden Geschlechtern 
zurückzuführen, und bringt das Zeugnis Brocas bei, nach welchem das Stirn 
hirn des Weibes sogar grösser ist als jenes des Mannes. 
Es betragen die relativen Gewichte der Gehirnlappen im Alter von 
16—91 J. (bei der Annahme der Hemisphäre = 1000): 
Stirnlappen Schläfenscheitellappen Hinterhauptslappen 
5 427 473 100 
(5 431 469 100 
Daraus erklärt G.-R. die Geschlechtsunterschiede des weiblichen 
Schädels, wie z. B. die gerade Stirne mit hervorspringenden Stirnhöckern, 
die geringere Schädelhöhe, die charakteristische Abplattung des Weiber 
schädels im Bregma u. a. Obwohl er an der Unveränderlichkeit der Schädel 
form festhält, giebt er eine Variabilität der langen Knochen zu und sieht 
deswegen die hochstehenden Rassen als relativ jung an, da sie sonst mit 
der Zeit ihre Plastizität verloren hätten. j) r . o. v. Hovorka-Wien. 
375. Kompe: Kasuistische Beiträge zur Lehre von den Miss 
bildungen. München, mediz. Wochenschrift, 1903, Nr. 4. 
376. David u. Lipliawsky: Zur Ätiologie der Spalthand. Deutsche 
mediz. Wochenschrift 1903, Nr. 24. 
Gesunder Vater, gesunde, aber kleine Mutter mit infantilem Gesichts 
ausdruck und kurzer schmaler Oberlippe, zeugen 2 normale Kinder; das 
3. besitzt eine einfache Hasenscharte, das 4. einen Wolfsrachen, das 5. eine 
doppelte Hasenscharte, doppelte Gaumenspalte und symmetrische Defekte 
an beiden Händen und Füssen, und zwar fehlen beiderseits die mittleren 
Finger und Zehen samt Metatarsus und Metakarpus, an deren Stelle sind 
die Zwischenfingerräume tief verlängert (Spalthand und -Fuss). Syndaktylie 
war ausgeschlossen. 
Abgesehen von der leichten Anomalie der mütterlichen Oberlippe sind 
erbliche Einflüsse auszuschliessen. Ätiologisch wichtig könnten die kümmer 
lichen Verhältnisse der Eltern (Sachsengänger) erscheinen, sowie eine während 
der Schwangerschaft erlittene psychische Erregung der Mutter wegen krimi 
neller Bestrafung des Ehemannes. Ob aber diese wirklich die (fast habi 
tuelle) Entwickelungsstimmung des Eies zu erklären vermag, ist mindestens 
zweifelhaft.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.