Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

334 B. Referate. Anthropologie. 
Körnchen. „Chromatophoren,“ d. h. oft verästelte, meist varicose Pigment 
figuren sind nicht verästelte Pigmentzellen, sondern intercelluläre Anhäufungen 
von Pigmentkörnchen und finden sich bei Farbigen und auch bei Weissen. 
Im Corium finden sich Pigmentzellen in zwei Lagen, einer tiefen und 
einer höheren, in letzterer kommen auch freie Pigmentkörperchen vor. 
Pigmentzellen des Corium bleiben stets durch einen Saum deutlich von der 
Epidermis getrennt. Die Pigmentzellen der höheren und tiefen Corium- 
schicht sind klein; grosse finden sich nur in der Sakralhaut der Kinder in 
der Tiefe des Coriums. Prinzipiell gleiche Befunde bieten die untersuchten 
Affen; auf Einzelheiten einzugehen, verbietet der Raum, doch sei erwähnt, 
dass der Yerf. für Mensch und Affen sehr genaue Angaben über Menge 
und Lokalisation des Pigmentes giebt. — Das Hautpigment wird in Epi 
dermis und Corium selbständig gebildet, nicht eingeschleppt. Da bei Affen 
eine pigmentreiche Epidermis stets mit pigmentarmen Corium verbunden 
ist und umgekehrt, so ist anzunehmen, dass dem Pigment eine physiologische 
Bedeutung zukommt (Licht, Wärmeschutz?) und bald die eine, bald die andere 
Pigmentschicht zweckmässiger ist. — Yon Bedeutung sind endlich die Angaben des 
Yerf. über den „blauen Sakralfleck“ der Neugeborenen und Kinder, in welchem 
man ein spezifisches Merkmal der Mongoloiden gefunden zu haben hoffte. Yerf. 
giebt zunächst eine geschichtliche Übersicht der bezüglichen Angaben bei 
japanischen und chinesischen Schriftstellern und eine Zusammenstellung der 
Völker, bei denen er bisher beobachtet worden ist. Der blaue Sakralfleck 
der Kinder beruht auf dem Vorhandensein grosser (vergi. Choroidea), tief 
liegender Pigmentzellen, neben welchen in den höheren Hautschichten auch 
kleine Pigmentzellen wie anderwärts vorhanden sein können. Der Sakral 
fleck findet sich aber nicht nur bei Mongoloiden, sondern, wie 
Yerf. nachweist, auch bei Weissen, er ist bei ersteren nur stärker 
ausgeprägt und fehlt wohl keiner Rasse vollständig. Yerf. sieht in dem 
Sakralfleck nicht eine atavistische Bildung, die verloren gegangen ist und 
gelegentlich wieder auftritt, sondern sie ist ein rudimentärer oder in Rück 
bildung begriffener Charakter: Der Mensch trägt in späteren Stufen seiner 
Entwickelung ganz normaler Weise Pigmentzellen, die viele Affen lebens 
lang und in grösserer Verbreitung tragen; dem Menschen eigentümlich ist nur 
die Lokalisierung dieser Pigmentzellen in der Sakral- und Glutäalgegend. 
G. Thilenius-Breslau. 
367. V. Giuffrida-Ruggeri: Sulla plasticità delle varietà umane. 
Monitore zoolog’, ital., 1903. Anno XIY, Nr. 7, S. 158—167. 
Obwohl G.-R. an der Persisteriz von Varietäten und Typen mit Sergi, 
Kollmann u. a. streng festhält, giebt er die Existenz von Mischtypen zu; 
nur will er einen strengen Unterschied zwischen Mischtypen und Zwischen 
typen ein für allemal feststellen. Jedenfalls giebt es eine gewisse Plastizität
        

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