Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Anthropologie. 
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das ist bei Erwachsenen in 53% hinter dem 2., in 39% hinter dem 1. Prä 
molar, in 8% hinter dem 1. Molar, bei Kindern in % der Fälle hinter 
dem 1. Milchbackzahn. „Hoch“ nennt Verf. einen Gaumen, wenn der Index 
über 58,0 ist; dann erscheint der Gaumen auch dem Beobachter „hoch“-; 
für Kinder (I. Dentition) nimmt er als entsprechende Grenze 50,0 an. 
Die Untersuchung von 700 Personen zeigt nun, dass 225 Erwachsene 
mit Mundatmung einen mittleren Gaumenindex von 64,2 haben, dagegen 
332 solche mit Nasenatmung 53,0. Das Material an Kindern ist noch 
nicht so gross, spricht aber in gleichem Sinne: mundatmende Kinder (I. Dentit.) 
haben einen Gaumenindex von 53,7, dagegen nasenatmende von 49,3; in 
der II. Dentition: mundatmende 58,3, nasenatmende 48,4 (letztere Ziffer 
zu niedrig, geringes Material)! Man findet also stets bei Mund 
atmung einen erheblich höheren Gaumen als bei der normalen 
Nasenatmung. 
Verf. begegnet nun im 2. Teile der Arbeit dem Einwand, als ob der 
höhere Gaumen etwa nur in Korrelation mit einem schmalen Gesicht stünde, 
indem bei schmalem Gesicht und hohem Gaumen enge Nase eben leichter 
Mundatmung einträte. Verf. maass bei allen seinen Gaumen-Untersuchten 
die Obergesichtsbreite (Schneide der oberen Incisivi bis Stirn-Nasennaht). 
Sein Obergesichtsindex zeigt nun thatsächlich eine gewisse Korrelation, indem 
der Gaumenindex bei Leptoprosopen (Grenze der Chamäprosopie = 50,0) 
im Mittel 59,4, bei Chamäprosopen 53,0 ist. Aber eine Scheidung der 
Mund- und Nasenatmer zeigt äusserst interessante Verhältnisse. 
Der Gaumenindex ist im Mittel bei: 
179 Leptoprosopen erwachs. Mundatmern 65,4 
206 „ „ Nasenatmern 54,8 
40 Chamäprosopen „ Mundatmern 60,1 
118 „ „ Nasenatmern 50,6. 
Wenn der hohe Gaumen nur in Korrelation stände mit dem Schmal 
gesicht, müsste der Durchschnitt aller Schmalgesichter den hohen Index 
haben; so aber haben die mundatmenden Breitgesichter einen höheren 
Index als die nasenatmenden Leptoprosopen; also gleichviel ob schmales 
oder breites Gesicht, die Mundatmung bedingt hohen Gaumen. 
Auf einige weitere Erörteruugen, welche mehr den Praktiker inter 
essieren (Beobachtung bei Choanalverschluss) möchte Ref. nicht eingehen, 
für die Leser dieser Zeitschrift dürften die referierten Ergebnisse genügen; 
sie zeigen uns hoch wichtige Probleme für unsere Auffassung der Schädel 
formen, Probleme, deren Beantwortung bis jetzt kaum noch begonnen hat. 
Dr. Eugen Fischer-Freiburg i. B.
        

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