Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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A. Uriginalarbeit. 
In gleicher Weise wurden 3972 Ehen in Kotterdam untersucht, 
einer Grossstadt mit 318000 Einwohnern. Das Ergebnis war folgendes: 
Wohlstands gruppe 
I ärmste 
II 
III 
IY reichste 
Anzahl der Geburten mit Einschluss 
der Totgeborenen pro Familie . . . 
5,59 
5,04 
4,18 
4,19 
Totgeborene aut 100 Geburten .... 
3 
3,21 
3,85 
2,80 
Anzahl der Kinder, die das 5. Lebens 
jahr erreichten, pro Familie .... 
4,02 
3,72 
3,14 
3,47 
Die Unterschiede zwischen beiden Tabellen sind keine besonders 
grossen. Nur zeigt sich, dass die Ehen in der kleinen Stadt Dordrecht 
fruchtbarer ausfallen, aber da die Mortalität dort auch grösser ist, 
so gleichen sich die Unterschiede so ziemlich aus, denn wenn man 
nur die Kinder berücksichtigt, welche das 5. Lebensjahr erreichen, 
dann erhält man ungefähr das gleiche Mittel: es übt die fast zehn 
mal grössere Stadt somit keinen viel schlechteren Einfluss auf die 
wirkliche Vermehrung aus. Die Ausgleichung der Unterschiede legt 
den Gedanken nahe, dass eine Familie nur eine bestimmte Anzahl 
Kinder grossziehen kann. Wie dem auch sein möge, jedenfalls bleiben 
die ärmeren Familien im Vorteil, wenn die Unterschiede auch gering 
sind. !) Man hat wohl angenommen, dass die wohlhabenden Familien 
darum weniger fruchtbar sind, weil die Männer später heiraten. Es 
genügt diese Thatsache aber nicht zur Erklärung des Unterschiedes, 
denn aus den ärmeren Familien traten 73 % der Männer vor dem 
30. Jahre in die Ehe, von den wohlhabenden 64°/ 0 , also beträgt der 
Unterschied nur 9%. Ausserdem ist die Fruchtbarkeit des Mannes 
doch so wenig eingeschränkt, dass solcher Unterschied ganz wertlos 
wird, zumal sich für diese Städte herausstellte, dass die Frauen der 
verschiedenen Gruppen ungefähr in gleichem Alter heiraten. Ich 
glaube, dass der Unterschied in der Fruchtbarkeit nicht physischen, 
sondern psychischen Ursachen zuzuschreiben ist, es will die Bourgeoisie 
eine kleine Kinderzahl und erreicht dies durch den Neo-Malthusianismus ; 
anderseits ertragen auch manche Mütter der besseren Stände eine 
grössere Zahl Geburten nicht, aus bleichsüchtigen Mädchen werden 
keine kräftigen Weiber; diese Schwächung der Mütter könnte dann 
1) Es werden diese Unterschiede natürlich bei Multiplikation weit grösser, 
in etwa Jahren werden 100000 Ehen der Arbeiter ungefähr 402000 Kinder pro 
duzieren (welche fähig sind, 5 Jahre alt zu werden), während 100000 Familien 
der reichsten Klasse nur 347000 Kinder besitzen werden. Wir werden weiter 
unten sehen, dass diese Berechnung uns aber auf Irrwege führt.
        

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