Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Urgeschichte. 
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sicht des Fürsten von Monaco ausgeführt, sodass eine sichere Feststellung 
der Aufeinanderfolge der Schichten möglich Av»r. Diese Höhle, genannt 
grotte des enfants, befindet sich im Fürstentum, 350 m von der Grenze 
entfernt; es wurden 1875 darin von E. Riviere zwei Kinderskelette ge 
funden; dabei waren Feuerstein- und Hirschhorninstrumente. Auf den Skeletten 
lagen mehr als tausend durchbohrte Muscheln von Nassa neritea, welche 
zu einem vom Nabel bis zum oberen Drittel der Schenkel reichenden Gürtel 
vereinigt gewesen zu sein scheinen. Die Fauna bestand hauptsächlich aus 
Sus Scrofa, Cervus und Capra. 
In verschiedenen Höhen wurden Aschenschichten aufgedeckt, die sich 
in der ganzen Höhle verfolgen lassen und von einander durch Erdmasse 
getrennt sind; dieser Umstand weist auf mehrfache zeitweise Bewohnung 
der Höhle. Der unterste Flerd liegt auf dem Grundfelsen selbst. Sobald 
der Mensch die Höhle verlassen hatte, kamen Hyänen, welche den Herd 
durchwühlten und ihre Koprolithen zurückliessen. Die zweite und dritte 
Aschenschicht sind nicht dick; dagegen deutet der dritte Herd auf einen 
längeren Aufenthalt des Menschen. Diese Herde sind durch roten Thon 
von einander getrennt. Es lagerte sich noch einmal eine Schicht (von 1,15 m) 
desselben Thons ab, bis der Mensch zum vierten Mal kam und den neu 
entstandenen Herd als Begräbnisstätte benutzte. Ein junger Mann und eine 
alte Frau wurden nebeneinander in Hockerstellung beigesetzt. Von da an 
kommt an Stelle des Thon eine graue, mehr oder weniger kieshaltige Erde; 
0,70 m darüber (7 m unter der Oberfläche) ist ein anderer Herd mit Be 
stattung nachweisbar, ein Mann von hohem Wuchs, der gestreckt begraben 
wurde, mit gebeugten Vorderarmen, sodass die Hände auf dem Hals liegen. 
Fine Steinplatte beschützte den Kopf, eine andere die Füsse. Oberhalb 
dieses Skeletss wurden Knochen von Hyaena spelaea aufgefunden. Nachher 
wurde die Höhle noch 6 mal längere oder kürzere Zeit von Menschen be 
wohnt, die Aschenschichten und Steinwerkzeuge hinterliessen. 
Diese Steinartefakte sind von magdalenischem Typus; die aus dem 
unteren Niveau sind noch viel roher, aus Sand- oder Kalkstein. Sie sollen 
später ausführlich behandelt Averden. Jedenfalls steht fest, dass die drei 
unteren Skelette echt paläolithisch sind. Schliesslich lag noch oben, 1,90 m 
von der Oberfläche ein viertes Skelett, dasjenige einer alten Frau, deren 
Körperhöhe auf 1,44 m berechnet Averden konnte. Die Knochen sind sehr 
zart, das Schenkelbein ausgesprochen platymerisch, der Kopf ziemlich lang 
gezogen, Parietalhöcker wohl markiert, Augenbrauenbögen wenig deutlich, 
Augenhöhlen breit und niedrig mit undeutlichen Winkeln. Es konnten leider 
keine Messungen angestellt werden. Dieses Skelett unterscheidet sich von 
der Cro-Magnon-Rasse besonders durch die geringe Körperhöhe und die 
Zartheit der Knochen. 
Das männliche Skelett des 7. Herdes hat eine berechnete Höhe von
        

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