Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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A. Originalarbeiten. 
Forscher mit der sehr richtigen Bemerkung, dass ich meine Auf 
fassung mit Zahlen belegen müsse. 
Ich erkenne diesen Einwurf an und habe mich seither bemüht 
Zahlen zusammenzubringen; leider waren für mich die Umstände in 
sofern recht ungünstig, als ich Europa wiederum verlassen musste, 
und auf der Indischen Inselflur kann man solche Studien nicht 
treiben. Trotzdem gelang es mir, vor meiner Abreise einiges zu 
sammenzutragen, was ich dem Leser hier darbieten möchte. Ich will 
hoffen, dass andere das fortsetzen werden, was hier begonnen wurde. 
Wenn man genealogisch den Einfluss des Stadtlebens studieren 
will, dann genügt es nicht, einzelne Familien herauszugreifen, man 
muss eine ganze, in sich abgeschlossene Gruppe studieren und in 
Prozenten berechnen, wieviele der zu solch einer Gruppe gehörigen 
Familien durch das Stadtleben erschöpft wurden oder wieviele ihm 
Widerstand boten. Nun war es ein glücklicher Zufall, dass in 
Amsterdam, der grössten Stadt meines Vaterlandes, und seit Jahr 
hunderten einer der grössten Städte Europas, sich zwei solcher 
Familiengruppen finden, deren Grenzen scharf umschrieben werden 
können. Die erste Gruppe ist die der regierenden Geschlechter 
(Oligarchie), die zweite die der Portugiesischen Juden. 
Bei der Betrachtung der regierenden Geschlechter habe ich 
alle Seitenlinien ausser Acht gelassen und nur die Vorfahren eines 
Senators oder dessen direkte männliche Deszendenz beachtet. Durch 
diese Einschränkung liess ich viele Geschlechter weit früher aus 
sterben, als sie thatsächlich ausgestorben sind; wenn der Hauptstamm, 
erlosch, gilt das Geschlecht für erloschen. Diese Annahme ist ge 
wiss nicht zu Gunsten meiner Auffassung, dass das Stadtleben nicht 
so ungünstig auf die Geschlechter einwirkt, aber ich musste mich 
zu dieser Einschränkung entschliessen, weil ich nicht in der Lage 
war, den Stammbaum der Seitenlinien kennen zu lernen. 
Es wurde nun notiert: das Jahr, in welchem ein Geschlecht 
sich in Amsterdam niederliess, und das Jahr, in welchem die Haupt 
linie ausstarb; es war natürlich nicht immer das bestimmte Jahr 
ausfindig zu machen, aber ein Genealoge konnte mir in diesen 
Fällen doch immer bestimmt den Abschnitt „Anfang, Mitte oder 
Ende des Jahrhunderts“ angeben, und das genügt für unseren Zweck. 
205 Geschlechter haben der Stadt Amsterdam vom Ende des 16. 
Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Regenten geliefert. 
Von diesen fallen vier fort wegen fehlender Daten, von den übrig 
bleibenden 201 sind 142 ausgestorben und leben noch 59, also noch 
29 °/ 0 . Betrachten wir zunächst diese noch fortlebenden Geschlechter: 
dann zeigt sich, dass sie durchschnittlich 300 Stadtjahre hinter sich
	        
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