Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Ethnologie. 
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wichtige Furchtgefühle aus: das eine ist noch vormenschlichen Ursprunges 
und geht nur vom weiblichen Wesen aus (geschlechtliche Verweigerung), 
das andere dagegen ist ausgesprochen menschlichen Charakters und eher 
socialen, als sexuellen Ursprunges (Neigung zu Abscheu, Ekel). — Das 
sexuelle Schamgefühl des Weibchens ist auf die Sexualperiodicität des 
weiblichen Geschlechtes überhaupt zurückzuführen. Es ist der unwillkürliche 
Ausdruck der organischen Thatsache, dass augenblicklich nicht die Zeit zum 
Lieben ist. Es ist daher das unvermeidliche Nebenprodukt der natürlichen 
agressiven Handlungen des männlichen Wesens in geschlechtlicher Hinsicht 
und der natürlichen abweisenden Haltung des Weibchens. Dieses Abwehr 
gefühl wird so zur Gewohnheit, dass es sich auch zu Zeiten äussert, wo es 
aufhört angebracht zu sein. — Dieser „animalische“ Faktor des Scham 
gefühls erklärt aber nicht alle Erscheinungsformen desselben, so z. B. nicht 
Schmuck und Kleidung und noch weniger das Schamgefühl des Mannes. 
Verf. geht hierbei auf den Ekel zurück, eine der ursprünglichsten und allge 
meinsten socialen Eigenschaften der Menschheit. Mit Recht nimmt er an, 
dass das Gefährliche und Nutzlose beim Menschen Abscheu errege und dass, 
da die Verdauungs- und Geschlechtsausscheidungen in diese Kategorie fallen, 
die genito-anale Gegend zum Mittelpunkt des Ekels wurde; der Mensch 
wollte nicht Abscheu und Ekel erregen. Die sociale Furcht, Widerwillen 
hervorzurufen, verbunden mit dem animalischen Faktor der geschlechtlichen 
Verweigerung, erscheint ihm demnach als das Grundelement des Scham 
gefühls. Als weiteres Moment des Schamgefühls kommt dann das rituelle 
Element hinzu, besonders die Idee der ceremoniellen Unreinheit. — Von 
der Kleidung ist das Schamgefühl ursprünglich vollkommen unabhängig, 
denn die primitiven Faktoren desselben entwickelten sich schon lange vor 
der Einführung der Kleidung und des Schmuckes. Verf. verfolgt die weitere 
Entwicklung des Schamgefühls mit der Zunahme der Civilisation, infolge 
deren noch andere Momente hinzutreten und die Auffassung des Scham 
gefühls selbst mancherlei Veränderungen erfährt. Wenngleich wir mit seinen 
Darlegungen nicht immer uns einverstanden erklären können, so müssen wir 
doch zugeben, dass dieselben geistreich und anregend geschrieben sind. 
Der zweite Abschnitt (S. 77 — 160) ist dem „Phänomen der Sexual- 
Periodizität“ gewidmet. Unter Würdigung zahlreicher Beobachtungen be 
schäftigt sich Verf. zunächst mit den Erscheinungen der Menstruation bei 
Tieren und Menschen, ihr Verhältnis zur Ovulation und Brunst, sowie ver 
schiedenen anderen das gleiche Gebiet streifenden Fragen. Er prüft sodann 
die Frage nach dem Vorhandensein einer menstruellen Periodizität beim 
männlichen Geschlecht; dass eine solche als absolut sicher anzunehmen ist, 
will er nicht behaupten, hält sie aber auf Grund genügender Beobachtungen 
für sehr wahrscheinlich. Schliesslich kommt Verf. auf die jährliche Sexual- 
Periode bei Tieren und Menschen zu sprechen, im besonderen auf die Tendenz
        

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