Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

254 
B. Referate. Urgeschichte. 
gebnisse der Nachgrabungen in den verschiedenen Kreisen des Gouvernements 
in sehr ausfürlicher Weise (Fundberichte). 
Die Sucht, Münzschätze zu finden, ist unter den Bewohnern des Gou 
vernements Cherson sehr verbreitet; der Erfolg dabei aber ganz vergeblich. 
Dagegen sind gelegentlich im Erdboden bei den Feldbestellungen oder beim 
Graben Münzen gefunden worden, oder das Wasser hat hie und da Münzen 
aus dem Erdboden ausgewaschen. Solcher zufälligen Funde sind 40 bekannt. 
Unter den Münzen, die auf diese Weise ans Tageslicht gekommen sind, 
finden sich griechische, römische, byzantinische, persische Münzen; ferner 
Münzen des Chans der goldenen Horde, türkischer Sultane, polnischer Könige, 
und selbstverständlich auch russische Kaisermünzen. Auf den Taf. X, XI 
und XII sind sehr viele ältere und neuere Münzen abgebildet. 
In der zweiten Hälfte des Buches (S. 83—176) beschreibt der 
Verfasser die im Gouv. Cherson bisher gefundenen Altertümer, insbe 
sondere diejenigen, die bei regelrechten Ausgrabungen der Kurgane zu Tage 
gekommen sind. 
Die bei den Aufgrabungen gefundenen Altertümer, die verschiedenen 
Gegenstände sind ausserordentlich zerstreut: in St. Petersburg (Eremi 
tage), in Moskau (historisches Museum), in Odessa und Kiew liegen 
viel Chersonsche Altertümer. Viel ist aber auch nach London ins britische 
Museum, nach Berlin und Wien geraten. Um dieser Zerstreuung entgegen 
zu arbeiten, gründete man 1890 das Chersonsche Archäologische Museum; 
1898 wurde das Museum offiziel eröffnet. 
Wann die ersten Ansiedler im heutigen Gouv. Cherson auftauchten, 
lässt sich nicht feststellen, doch scheint es unzweifelhaft, dass bereits lange 
vor der christlichen Zeitrechnung jene Steppengebiete bewohnt waren. Ge 
wöhnlich nimmt man an, dass die Kimmerier, ein wenig zivilisiertes 
Nomadenvolk, hier lebten. Sie wurden später durch die Skythen verdrängt 
und zogen an den Kuban und weiter nach Kleinasien. 
Der Verfasssr hält darnach die ältesten Kurgane für kimmerische; 
doch ist dabei nicht zu übersehen, dass ein und derselbe Kurgan auch von 
den später hier lebenden Völkerschaften zur Bestattung der Toten benutzt 
wurde. In der Tiefe liegen Kimmerier, mehr oberflächlich andere Leute. 
Die Einzelbeschreibungen können nicht wiederholt werden. Aus der 
zusammenfassenden Darstellung heben wir folgende interessante Thatsachen 
hervor: Die Kurgane bestehen aus Erde und aus Steinen. Die Toten liegen 
in der Erdaufschüttung oder darunter in festerem Erdboden, in besonderen 
Gräbern. Die Skelette der Bestatteten sind meist schlecht erhalten, oft 
ist nur Knochenstaub vorhanden. Bemerkenswert ist, dass die Leiche mit 
angezogenen Beinen begraben wurde; oft sind die Knie bis an den Unter 
kiefer heraufgezogen. Die Leichen liegen bald auf dem Rücken, bald auf 
der Seite. Auch die Lage der Arme ist sehr verschieden. Auffallend ist,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.