Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Anthropologie. 
203 
verschiedensten Körperteile. So knüpft Cope die Verwandtschaft der Anthropo- 
morphen nicht an die niederen Affen, sondern an die Lemuren, indem er 
auf augenspringende Analogien der Zähne beider Gruppen hinweist; zwischen 
den Anaptomorphus homunculus des Eocäns und den Hominiden des Pleistocäns 
schaltet er ein bestimmtes Genus ein, welches Merkmale zugleich von Simia 
und Hylolates aufweist. Morselli findet den homo sapiens sogar mehr 
pithecoid als die höheren Affen, indem er darauf hinweist, dass der M. flexor 
dig. min. weniger atrophisch ist, als beim Schimpanse und Orang. Nach 
Albrecht müsste der Mensch ganz und gar als ein niederer Affe angesehen 
werden. G.-R. wendet sich gegen solche Schlussfolgerungen und erklärt 
diese scheinbar paradoxen Erscheinungen dadurch, dass der Mensch gewisse 
Merkmale der niederen Affen in einem niederen Grade beibehalten hat, als 
die Anthropoiden, sowie wieder diese andere Eigenschaften bewahrten, welche 
der Mensch verloren hat. JDr. Oskar v. Hovorka-Wien. 
239. J. Elbert Cutler: Tropical acclimatization. American Anthro- 
pologist. 1902. N. S. Vol. IV, S. 421 ff. 
Soviel auch über tropische Akklimatisation geschrieben worden ist, so 
wenig wissenschaftlichen Wert hat doch das Alles und die neuere Wissen 
schaft verlangt dringend eine strenge Kritik der angeblichen Beobachtungen, - 
sowie die planmässige Feststellung neuer Thatsachen. Erst in neuerer Zeit 
(1898) hat Sambon gesundere Ansichten entwickelt. So löst er den Begriff 
„Sonnenstich“ auf in zwei ganz verschiedene Zustände: Hitzschlag (syncope) 
und thermisches Fieber (oiriasis), das nicht die unmittelbare Folge grösserer 
äusserer Hitze ist (in den Philippinen z. ß. so gut wie unbekannt), sondern 
wahrscheinlich infektiöser, mikrobischer Natur ist. Viel ist dem Klima zu 
gerechnet worden, was nur die Folge von schlechten sanitären Einrichtungen 
auf den Schiffen, Ansiedelung in Malaria-Gegenden, ungesunden Lebensge 
wohnheiten, Alkohol, geschlechtlichen Ausschweifungen etc. war. Die meisten 
tropischen Krankheiten sind parasitärer Natur, denn nicht das Klima als 
solches bringt sie hervor, noch schwächt es die Konstitution (Schwächlichkeit 
der Kinder in den Tropen, Verschlechterung der Konstitution alter Ansiedler, 
Unfruchtbarkeit). Die nicht-klimatischen Schädlichkeiten, die in den Tropen 
vorhanden sind, lassen sich durch zweckmässige sanitäre Einrichtungen heben 
oder doch entschieden vermindern: die Hitze in den Häusern kann herab 
gesetzt, Eis billig hergestellt werden etc., und gegen die eigentlichen para 
sitären Tropenkrankheiten wird man um so wirksamer operieren können, je 
mehr man die Parasiten selbst kennen lernt. Die Errichtung einer be 
sonderen Schule für Tropen-Heilkunde in London 1899 ist ein wichtiger 
Schritt auf dieser Bahn. JE. Schmidt-Jena.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.