Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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A. Originalarbeit. 
geographia ed. Carolus Müllerus p. 256 Note 2 zu ’EXouyjtcwv) ge 
nannt wird, und dem vorwärtsdrängenden Einwandern der Sueben 
im 1. vorchristlichen Jahrhundert hat der Yerf. bereits in seinen 
„Studien zur ältesten Geschichte der Rheinlande, 1. Abteil., S. 37 
bis 43 hingewiesen. 
Diese historisch bezeugten Verhältnisse erhalten neuerdings 
archäologische Bestätigung durch die Aufdeckung der Nekropole 
aus der jüngsten la-Tene-Zeit gerade in dem Gebiete, das speziell 
den Nemetes, d. h. dem Waldland zuzuschreiben ist (vgl. über ihren 
gallisch-germanischen Namen Mehlis: „Studien“ 1. Abt., S. 70—72), 
welche mit Vangiowen und Tribocchern als erste Eindringlinge auf 
dem linken Ufer des Mittelrheins historisch bezeugt sind. Noch 
jetzt bildet die umfangreiche, zwischen Neustadt — römischer Vicus! 
— und Speyer (colonia Nemetum, vorher Noviomagus = Neufeld) 
gelegene ausgedehnte Forst, die den Gemeinden Mussloch, Speyer 
dorf-Lachen, Hassloch, Iggelheim, Böhl, Dannstadt, Schifferstadt, 
Geinsheim, Hanhofen, Dudenhofen, Harthausen, Lingenfeld u. a. 0. 
als Eigentum gehört, ein grosses, nur durch einzelne Rodungen 
unterbrochenes Waldgebiet (= altgerm. nimid, = altgallisch nemet). 
In diesem sind nun dicht bei einander Grabhügelgruppen festgestellt 
und vom Verfasser i. J. 1902 aufgedeckt worden, welche zweifellos 
(vgl. Pfälzisches Museum, a. 0.) der Einfallperiode der Nemeter auf 
das linke Rheinufer entsprechen und ausserdem in der Art der Be 
stattung, des Hügelbaues und der Beigabe auf spezifisch germanische 
Sitten und Gebräuche schliessen lassen. 
Auf die Thatsache, dass sich in der südlichen Rheinebene am 
rechten Ufer, also in Oberbaden, die Funde der Mittel- und besonders 
der Spät-la-Tene-Zeit nur spärlich festsetzen lassen, hat mit 
Bezug auf Völkerbewegungen dieser Periode auch Schumacher 
letzthin wiederholt aufmerksam gemacht (vgl. Zur Besiedelungsge 
schichte des rechtsseitigen Rheinthaies zwischen Basel und Mainz 
S. 15 und ausführlicher 29. Heft der „Schriften des Vereins f. Ge 
schichte des Bodensees“, S. 15—19). Diese auffallende Spärlichkeit 
der Fundstellen aus der Zeit des 2.—1. vorchristlichen Jahrhunderts 
„bezeugt jenen Zustand, den die Schriftsteller als helvetische Ein 
öde bezeichnen, wenigstens für die Spät-la-Tene-Zeit“, schreibt hier 
über Schumacher wörtlich. Auch die Thatsache, dass nach den 
Grabhügelfunden von Ebersberg und der Zuringmauer bei Dürkheim, 
sowie nach den Ergebnissen in den Grabhügelnekropolen im Ordens 
wald und im Hasslocher Wald bei Neustadt durch die germanische 
Invasion die Kultur zunächst zurückging, bestätigt Schumacher für 
die rechte Rheinseite (vgl. a. 0. S. 15—16). Während Schumacher
        

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