Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

A. Originalarbeit. 
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wo sie als Volcae Tectosages die römischen Autoren (Caesar, de 
bell. gall. YI24) kennen und wo sie sich später mit den Nord 
germanen, den Hermunduren, vermischten. Der andere Flügel wendet 
sich längst des Neckarstromes ins Donaugebiet, erobert als Boji, 
Taurisci, Scordisci, dieses fruchtbare Gebiet mit Böhmen und Mähren, 
und dringt über den Balkan bis Kleinasien vor. Ein dritter Zweig 
bleibt im Neckarlande als Helvetii oder richtiger Elvetii wohnen, 
wie Tacitus in der Germania (Kap. 28) berichtet, und die Ange 
hörigen dieses Stammes liegen wahrscheinlich in den Flachgräbern 
bei Heilbronn bestattet. Unter ihnen scheidet Schliz mit Recht 
die Herrengeschlechter und die Grundholden. Jene hatten z. B. auf 
dem Burghügel bei Klingenberg am Neckar (5 km südwestlich von 
Heilbronn gelegen) ihren Sitz, während jene zerstreut auf dem Lande 
als Kolonen ihre Äcker bauten und auch unter der Römerherrschaft 
als zinspflichtige Dekumatlandsbauern sitzen geblieben sind. Die 
Ansicht des Elsässer Forschers Dr. Forrer von der Persistenz 
der „glebae adstricti“ des Grundholdenstandes, der Krieg und Sieg, 
Wanderungen und Dynastien überdauerte, scheint für das rechte 
Rheinufer durch die Untersuchungen von Dr. Schliz bestätigt zu 
werden. — An Stelle der gallischen Grossgrundbesitzer traten seit 
der Einbeziehung des rechtsseitigen Mittelrheingestades in den Be 
stand der Provinz Germania einfach das Imperium romanum und 
der kaiserliche Prokurator und später der Graf und der Abt der 
romanischen Periode. — Jene selbst mussten sich seit dem Drucke 
der Sueben des Ariovistus über den Rhein in die heutige Schweiz 
zurückziehen. Diese neuen Eroberer aber, die Vangionen, Nemeter, 
Triboccher, Markomannen, Horuden drängten jetzt ihrerseits nach 
Südwesten in die Pfalz und ins Eisass vor, und in den Grabhügeln 
des Bienwaldes, des Hasslocher Waldes, ebenso in den Tumulis der 
Rheinwaldungen im Untereisass sind nach heimischen Sitten ihre 
Gebeine verbrannt und über die Asche ist der Rasenhügel aufge 
schüttet worden (vgl. Tacitus, Germania, Kap. 27 und Mehlis in der 
Zeitschrift: „Ptälzisches Museum“, Januar 1903: „Grabhügel im 
Ordenswald und im Hasslocher Wald, mit Tafel; über die Elsässer 
Hügelgräber und Flachgräber vgl. Winkler: Versuch zur Aufstellung 
einer archäol. Karte des Eisass, S. 6—7; Winkler und Gutmann: 
Leitfaden zur Erkennung der heimischen Altertümer, S. 40—53). 
Auf die obige Annahme des historischen, durch die Nach 
richten von Caesar, Strabo, Tacitus bezeugten Zusammenhanges 
zwischen dem Zurückweichen der Helvetier aus dem späteren Deku- 
^atenlande, das bei Ptolemaeos (II, 11, 6) noch ’EXootjxlwv ep7]|xo? 
= Helvetiorum desertum nach älteren Quellen (Strabo? vgl. Ptolemaei
        

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