Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

190 
C. Kongressbericht. 
schliessen lässt. In der Umgebung der Gorodischtsch finden sich auch viel 
fach Gräber. In Betreff der Nationalität der Leute, welche jene Ansiede 
lungen bewohnten, kann die Antwort nicht völlig sicher gegeben werden. 
Samokwassow meint, dass die Ansiedelungen, sowie die Grabstätten am 
Donez aus der Zeit des Tataren-Einfalls stammten und dass die Bewohner 
jener Ansiedelungen Polowzer gewesen seien. 
W. Ssisow sprach über die Produkte der Töpferkunst, Stern über 
die Ausgrabungen im nördlichen Bessarabien mit besonderer Berücksichtigung 
der keramischen Funde, Sa witnewits ch über den Kultur-Einfiuss in Byzanz 
auf die Lebensweise der Slaven während der Ivurgan-Periode. Eine Reihe 
von Mitteilungen bezieht sich auf die Aufdeckung von Kurganen, insonderheit 
auf die Lage der im Bereich der Aufschüttungen gefundenen Leichen 
(M. Pokrowski in Werchno-Saltowsk, Gouvernement Charkow). Jantschuk, 
Gorodzow, Wesselowski besprechen die Kurgane des Kubangebietes im 
Kaukasus. 
In Betreff der bereits oft erwähnten und von neuem wiederholt be 
stätigten Thatsache, dass die in Grabstätten gefundenen Knochen eine rötliche 
Färbung aufwiesen, sind keine neue Erklärungen zu verzeichnen als die bis 
herige Ansicht, dass die Leichen bei der Bestattung sehr stark mit rotem 
Farbstoff bestreut wurden (Melnik, Archäolog. Ausgrabungen in dem Kreise 
Achtyrko-Kupjansk). 
Professor ßagalei legte eine (neue) archäologische Karte des Gouver 
nements Charkow vor. 
Auch mit den so vielfach besprochenen Steinfiguren (Kamenija baby) 
beschäftigten sich einige Vortragende. In Berücksichtigung der vor ca. 
12 Jahren gemachten Entdeckungen in der nördlichen Mongolei kann es 
keinem Zweifel unterliegen, dass die auf den Kurganen stehenden Figuren 
von Männern und Frauen Denkmäler der in dem Grabe darunter liegenden 
Verstorbenen darstellen. Das geht aus den dabei entdeckten Inschriften 
mit Sicherheit hervor. Was die Nationalität der Völker betrifft, durch die 
die Steinbaby errichtet worden sind, so darf zunächst wohl angenommen 
werden, dass es ein Türkenvolk war. Wesselowski beschreibt einen neuen 
bisher noch nicht erwähnten Babentypus. Die Eigentümlichkeit des Typus 
besteht darin, dass die Figur nicht wie gewöhnlich aufrecht steht, sondern 
horizontal liegt. Er bezeichnet ihn als den Typus der liegenden 
Steinbabi. 
Aus den Vorträgen der 2. Sektion (Über geographische und 
ethnographische Altertümer) ist hervorzuheben eine Mitteilung von 
Krasnow über die Entwickelung der Wohnungen und Kleidung 
der Bauern in der nächsten Umgebung Charkows, dass die Gross 
russen in zäher Weise sehr fest an dem Alten festhalten, während die Klein 
russen das Alte leicht aufgeben, sobald ihnen das Neue vorteilhafter erscheint.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.