Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Anthropologie. 
Dementsprechend beschäftigt er sich im 1. Abschnitte (S. 4—66) mit 
der Körperform der Japaner (Skelett, Maasse und Proportionen, Gesichts 
bildung, Körperbildung) im allgemeinen und kommt zu dem Ergebnis, dass 
vom europäischen Standpunkte aus die Bevölkerung Japans kein Anrecht 
darauf besitzen kann, schön genannt zu werden, denn der Kopf ist zu gross 
und die Beine sind zu kurz; eine vollendete Schönheit ist daher beim Japaner 
vollständig ausgeschlossen. Im 2. Kapitel (S. 66—93) versucht er sich in 
den japanischen Schönheitsbegriff hineinzudenken. Er glaubt, dass man 
diesen aus der Mischung der beiden ethnischen Elemente, welche das japanische 
Volk zusammensetzen, herleiten könne: von dem reinen Naturvolke der Aino, 
und dem zur Zeit der Mischung hochentwickelten und künstlerisch begabten 
Volk der Mongolen. Dem Naturvolk erscheint der nackte Körper als etwas 
Natürliches, Selbstverständliches, das übersehen wird; das Kulturvolk dagegen 
beobachtet nur den Schmuck, die Kleidung; und die Entblössung macht auf 
dasselbe nur den Eindruck des Ärmlichen, Unpassenden oder des Sinnlichen. 
Die landläufige Auffassung menschlicher Schönheit in Japan setzt sich aus 
der Beurteilung der Gesichtszüge, der Haltung und der Kleidung zusammen, 
und dies bei beiden Geschlechtern. Im Vordergründe des Interesses steht 
auch bei dem Japaner das Weib. Wie europäische Forscher übereinstimmend 
herausgefunden haben, stellt der Japaner als Schönheitsbegriff auf: lange 
und schmale Gestalt, ebenso beschaffene Nase und Gesicht, schmale und 
lange Hüften, dünne Arme, lange und dünne Beine, lange und schmale 
Hände; schlaffe Brust, plumper Fuss und hässlicher Gang werden gern ver 
ziehen, niemals aber breite Hüften. Die Japanerin ist bemüht, durch 
künstliche Mittel, im besonderen die Kleidung, ihre körperlichen Reize dem 
Schönheitsideal nahe zu bringen. Von den beiden verbreitetsten Typen in 
Japan, dem Satsuma- und dem Chöshü-Typus, scheint der letztere der be 
vorzugte zu sein, als derjenige, welcher dem japanischen Schönheitsbegriff 
entspricht. An zahlreichen Beispielen und Bildern sowohl aus dem öffentlichen 
und Privatleben (S. 93 —118) wie auch aus den Darstellungen der Kunst 
(S. 118—195) zeigt Verf. in den beiden weiteren Abschnitten, dass der 
Japaner dem nackten Körper ziemliche Gleichgültigkeit entgegenbringt, ihm 
gegenüber also den Standpunkt des Naturmenschen noch einnimmt und die 
klassische Auffassung von der Schönheit des Nackten nicht kennt. 
Das Werk ist durch zahlreiche (112) Bilder im Text und 4 farbige 
Tafeln ausgestattet und macht, wie die früheren Werke des Verfassers aus 
demselben Verlage, einen vornehmen Eindruck. Der Preis von 8,60 M. 
entspricht dem Gebotenen. £)r. Buschan-Stettin.
        

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