Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
wandt und benachbart mit der Bevölkerung der Terramaren Italiens (Wenden- 
Veneter). Sie waren wie die Südslaven brachykepkal und von dunkler Haut 
farbe. Infolge des Bernsteinhandels verbreiteten sich die Slaven nach Norden 
(etw'a 800 v. Chr.), überstiegen die Karpathen und dehnten sich an der 
Oder und Weichsel bis ans baltische Meer aus. Hier führten sie die bisher 
unbekannte Leichenverbrennung ein, ferner die Bekanntschaft mit Metallen 
und Glas; doch wurde Eisen nur zu Schmuckgeräten verwendet. Im Norden 
der Karpathen hatten die Eingewanderten ein neolithisches \olk von heller 
Hautfarbe vorgefunden, das sie beim Vordringen nach Südosten (bis in die 
Gegend von Kiew) teilweise absorbierten; die Finnen wurden von ihnen 
nach Osten gedrängt. Um Chr. Geburt drangen aus Skandinavien die Ger 
manen ein, welche den allgemeinen Gebrauch des Eisens zu Werkzeugen 
und Waffen einführten. Erst um 500 zogen Slaven auch in das nordöstliche 
Russland; vorher ist von ihnen hier keine Spur vorhanden. 
In gewissem Sinne werden diese Ergebnisse durch die Forschungen 
von Talko-Hryncewicz unterstützt. Auch dieser ist geneigt, die alten 
Slaven für Brachykephalen mit dunklen Haaren zu halten. Hie Dolicho- 
kephalen in altslavischen Gräbern hält er auch für fremde Elemente, und 
zwar denkt er auch an ältere Bewohner, welche von den Slaven unterworfen 
worden wären. Für den Ausgangspunkt der brachykephalen Slaven hält er 
die Karpathengegend (Tatragebiet, Galizien), wo noch heute die Kurzköpfigkeit 
besonders prägnant hervortritt. Die von hier nach West und Ost ausgehende 
Bevölkerung hält er für eine kriegerische und ritterliche, welche die schwächeren 
langköpfigen Ureinwohner unterwarf und assimilierte. Damit steht die von 
Talko-Hryncewicz aber früher festgestellte Thatsache in Übereinstimmung, 
dass der polnische Adel sich von dem übrigen Volke durch höheren Wuchs 
und bedeutendere Kurzköpfigkeit auszeichnete. Nur hat er diese Erscheinung- 
früher anders erklärt (verschiedene Lebensstellung; vergl. Globus, Bd. 74, 394). 
Bemerkt sei noch, dass diese Ausführungen von Talko-Hryncewicz sich gegen 
Niederles bekannte czechisclie Arbeiten und die durch dieselben veranlassten 
Ausführungen von Potkanski (0 pochodzenin Slowian“ im Kwart. Hist., 
Lemberg 1902) wenden. Nach Niederle waren die Slaven bekanntlich ur 
sprünglich langköpfig und nahmen zufolge der Verhältnisse des Klimas und 
der Lebensweise erst kurzköpfigen Typus an. Auch Potkanski nimmt für 
die Slaven ursprünglich Langköpfigkeit in Anspruch und verwirft daher auch 
die Beweisführungen, welche sich auf die Annahme ursprünglicher Kurz 
köpfigkeit der Slaven stützt. Er sieht daher auch gerade die von Talko- 
Hryncewicz als reinen slavischen Typus aufgefassten Bewohner Galiziens 
nicht als solche an. 
Majewski hat schon im J. 1899 (vergl. Slavozytni Slowianie na ziemiack 
dziesiejrzej Germanii, Warschau) seine Ansicht dahin dargelegt, dass Mittel 
europa nur von Slaven und Kelten bewohnt war, die Germanen erst aus
        

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