Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

ß. Referate. Ethnologie. 
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ab, und solche abgefallene Stücke wurden in grossen Mengen bei den Gefäss- 
fragmenten gefunden. Sie zeigen in ihrem Reichtum an Mustern vornehmlich 
den Typus, den man als graeco-buddhistisch 3 ) bezeichnet hat. Ausser den 
konventionellen Blatt- und Blumenzeichnungen finden wir die verschiedensten 
Tiergestalten, am häufigsten den Affen in allen möglichen Stellungen; sie 
erinnern an griechische Satyrfiguren, und auch die Musikinstrumente, die 
sie halten, sind griechischen Ursprungs, auf den ganz besonders die in der 
indischen Kunst nirgends beobachtete Pansflöte deutet. Die Auffassung 
menschlicher Figuren bewegt sich kunsthistorisch in der gleichen Richtung. 
Auf die Appendices können wir, da sie rein philologischen Inhalts 
sind, hier nicht eingehen; gleich den übrigen Abschnitten der textlichen 
und illustrativen Darstellung bieten sie eine Fülle von Belehrung in Sprach- 
und Schriftgeschichte. Prof. Dr. L. Scher man-München. 
129. T. H. Holland: The Kanets of Kulu and Lahul, Punjab, a 
study of contact metamorphism. Journal of the Anthro- 
pological Institute of Great Britain and Ireland, 1902. 
Bd. XXXII, S. 96 (3 photographische Tafeln). 
Längs der himalayschen Grenze Vorderindiens kommen die langköpfigen 
Völker der Ebene mit den Brachycephalen des tibetischen Hochlands in 
Berührung, infolgedessen auf dieser langen Zone verschiedene körperliche 
Merkmale sich zeigen, deren Studium auch vom allgemeinen Gesichtspunkte 
aus recht interessant ist. So hat schon Risley konstatiert, dass der Längen 
breitenindex in den gleichen Kasten von W. nach 0. sich erhöht, sodass 
im Bengal die Brahminen mit 78,7 eine ausgesprochene Neigung zur Brachy- 
cephalie aufweisen. Es scheint also, dass die Grenze der Mongoloiden, statt 
wie im Punjab mit dem Himalaya zusammenfallen, weiter nach SW. sich 
bis zu den Hügeln oder der Ebene erstreckt, dass dort also die arische 
Rasse weniger vorherrscht. 
Die Kanets vom Pundjab sind insofern interessant, weil sie auf einer 
sehr besuchten Handelsstrasse wohnen, die grosse Blutmischungen gestattet 
und weil ihre zwei Zweige durch eine hohe Bergkette getrennt sind, sodass 
die von Kulu mehr mit den übrigen Indern in Verbindung stehen, während 
diejenigen von Lahul sich mehr mit den Mongolen vermischt haben. Wenn 
man annimmt, dass die Tibetaner mehr brachycephal, mehr platyopisch, 
mehr leptorhin und kleinwüchsiger sind als die Kanets von Kulu, dann 
erkennt man, dass die Kanets von Lahul eine intermediäre Stellung einnehmen. 
Ein eingehenderes Studium der Einzelzahlen hat nun dem Verf. ge 
zeigt, dass die erblichen Neigungen, die sich in einem Merkmal aussprechen, 
3) Zu bevorzugen ist der Ausdruck „Gandhara-Kunst“ nach dem alten, die 
heutigen indisch-afghanischen Grenzgebiete einnehmenden Königreiche dieses Namens. 
Intern. Centralblatt für Anthropologie. 1903. 8
        

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