Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
Mit 130 Tabellen, 14 Karten und 7 Proportionstafeln in 
Farbendruck, vielen Kurven und anderen Illustrationen. 
Stockholm, gedruckt in Aftonbladets Druckerei, 1902. VII 
und 301 S. gr. Quart. 
Wieder haben wir das Erscheinen eines schwedischen Prachtwerkes 
zu verzeichnen. Nachdem G. Retzius die Schädel der Vorzeit herausgegeben 
hatte, war er im Verein mit seinem Mitarbeiter Prof. Fürst in Lund be 
rufen, auch die Merkmale der lebenden Bevölkerung Schwedens festzustellen. 
Die Materialien wurden an 45 688 Wehrpflichtigen zweier Jahrgänge erhoben, 
und zwar, wie hier gleich bemerkt werden muss, nur an Tauglichen. 
Alle Pflichtigen von weniger als 157 cm Körpergrösse (bis auf einige, deren 
Anwesenheit nicht näher erklärt wird) und alle mit Gebrechen behafteten 
sind ausgeschlossen. Eine sich in den verschiedenen Landschaften über 
sämtliche Pflichtige erstreckende Untersuchung würde den Vorzug verdient 
haben; aber wenn schon in Baden die Schwierigkeiten gross genug waren, 
die Erhebungen beim Musterungsgeschäft vorzunehmen, so wären sie in 
Schweden unüberwindlich gewesen. Die Ungeheuern Entfernungen der 
Musterungsorte, die Hindernisse durch Kälte und Schneemassen, die mangel 
haften, pft nicht genügend hellen Lokale stellten sich einem solchen Vorhaben 
entgegen, das von den Herausgebern auf Grund ihrer Kenntnis der Dinge 
garnicht verursacht wurde. Sie zogen vor, die für tauglich erkannten Wehr 
pflichtigen an den Garnisonsorten zu untersuchen, wo alle Vorbedingungen 
weit günstiger gestaltet werden konnten. Ausser den Herausgebern wirkten 
im Jahr 1897 noch 7 Professoren und Kandidaten der Medizin mit, im 
folgenden Jahr 8, soclass keine allzu erdrückende Arbeit auf den einzelnen 
kam, obschon man Zahlen von 4—5000 Mann als sehr anerkennenswerte 
Leistungen bezeichnen muss. 
Im allgemeinen schliessen sich die Erhebungen dem Schema an, das 
in Baden verwendet wurde. Die Hautfarbe wurde nicht einbezogen, auch 
die Körperbehaarung u. s. w. nicht, dafür wurde aber die Spannweite ge 
messen. Die Darstellung der Ergebnisse verrät das erfreuliche Bestreben, 
soviel wie möglich die Vergleichbarkeit mit den Arbeiten der Vorgänger 
durchzuführen. Wo Neuerungen angewendet wurden, sind sie meist als 
Verbesserungen zu bezeichnen. 
Die Körpergrösse der Schweden wird auf durchschnittlich 170,88 cm 
berechnet. Diese Zahl ist mit der in anderen Ländern gefundenen nicht 
ohne weiteres zu vergleichen. Für Baden z. B. ist die mittlere Körper 
grösse 165,2 cm, aber dabei sind alle Wehrpflichtigen mit einziger Aus 
nahme der Verwachsenen einbezogen. Würde man diejenigen unter 157 cm 
weglassen (die in Baden 9,3 °/ 0 , in Schweden nur 2,2 °/ 0 ausmachen), so 
käme eine Zahl von 166,4 cm heraus, also schon 1,2 cm mehr. Unter 
den kleinen Leuten werden aber weniger ausgehoben als unter den mittleren
        

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