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Objekt: Sociologus, N.F. 24.1974

Buchbesprechungen 
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ihren Expeditionen sprechen, so rechnen sie mit 5000 Mann (z. B. p. 534), wäh 
rend Cheng Ho’s erste Expedition 317 Schiffe hatte, von denen 62 die von 
Needham bewunderten „Treasure ships“ waren. Die größten von diesen 
waren 300 Fuß lang (nach anderen 452 Fuß) und größer als alle europäischen 
Schiffe der Zeit. Die Flotte fuhr aus mit 27 870 Mann, von denen 26 803 
Soldaten waren. Die vierte Expedition von 1413—15 hatte 28 560 Mann, von 
der dritten wird gesagt, daß sie 30 000 Mann hatte. Die Kosten solcher 
Expeditionen müssen fantastisch gewesen sein, und ihr Hauptzweck soll, 
außer Freundschaftsbesuchen, die Suche für Medizinen gewesen sein! Need 
ham betont, daß alle besuchten Staaten freudig die chinesischen Geschenke 
annahmen und begeistert „Tribut“ an China zu leisten versprachen. Gelegent 
licht „mußten“ die Chinesen gegen solche Staaten, die sich nicht so freund 
lich benahmen, militärisch Vorgehen; sie brachten sogar Gefangene nach 
Nanking, die „were kindly treated“; allerdings wurden einige hingerichtet 
(p. 516). Der gefangengenommene Herrscher von Ceylon wurde allerdings 
zurückgesandt, aber nachdem die Chinesen dort ein Puppenregime eingesetzt 
hatten. Und ein Mann aus Canton (kein „tribal chief“, wie Needham sagt), der 
sich in Palembang zum Herrscher gemacht hatte, und der von einem anderen 
Cantonesen denunziert war, wurde von der Marine gefangen genommen, mit 
seinen Leuten ebenfalls nach Nanking gebracht, und hingerichtet (p. 515). Nur 
nebenbei wird berichtet, daß zur Zeit der Expeditionen die Chinesen wieder 
einmal in Annam einfielen. Bei diesen Tatsachen drängen sich andere Erklä 
rungen für die Expeditionen auf, die übrigens sofort eingestellt wurden, als 
die Gefahr eines Angriffs des Timuriden-Staates auf Nordchina beseitigt war. 
Es ist richtig, daß die Taten der Portugiesen in Ost-Afrika gegen die dorti 
gen Araber Grausen erregen bei uns heutigen (p. 514); aber wir sollten nicht 
vergessen, daß die Araber in Ost-Afrika die Sklavenjäger waren, die das 
ganze Mittelmeer mit afrikanischen Sklaven versorgten. Es ist richtig, daß 
die Europäer Afrika ausgebeutet haben, aber Needham selbst zitiert einen 
klassischen Text (p. 518 Note), der die Politik der Ausbeutung unterentwickel 
ter Länder durch die Chinesen bereits 80 v. Chr. klar ausspricht. Waren die 
Chinesen wirklich nie interessiert am Handel mit fremden Ländern (p. 520)? 
Wir wissen nicht sehr viel über den Handel, weil es sich um Staatshandel 
handelte, aber in der T’ang-Zeit war die Hauptstadt voll von Gütern aus dem 
Ausland. China hatte um die Zeitwende in der Tat viel Gold, während Roms 
Gold nach dem Osten abfloß. Aber von 200 n. Chr. an verschwindet das Gold 
auch aus China; das römische Gold zweifellos floß nicht nach China, und 
wohin das chinesische Gold floß und zu welchen Zwecken, wissen wir noch 
nicht. Rom brauchte Gewürze aus dem Orient, und woher bekam China seine 
Gewürze, sein Sandelholz, seine Schwalbennester? Ich erwähne diese Dinge 
nur, um zu zeigen, daß meiner Ansicht nach Needham hier eine Voreingenom 
menheit zeigt, die ihm auch von anderen vorgeworfen ist. Die Voreingenom 
menheit zeigt sich sogar in Übersetzungen, so wenn (p. 522) chu-fan als 
„foreign nations“ übersetzt wird, obwohl der Ausdruck fan ein Derogativer, 
mit dem Sinn „Unzivilisierte“ ist. Und chao-yü (p. 522) bedeutet nicht einfach, 
daß die Admiräle „(should) announce our Mandate“, sondern ist ein an die 
besuchten Länder gerichteter Befehl des chinesischen Kaisers, wie man ihn 
an die eigenen Untertanen zu senden pflegt. Wir hoffen, daß Needham im 
abschließenden Band, in dem er auf die chinesische Gesellschaft zurück 
kommen will, sich von solchen Einseitigkeiten freimachen wird und, von 
einem realistischen Bild der chinesischen Gesellschaft ausgehend, den wahren 
Platz der Wissenschaft und Technik erklären wird.
	        
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