Buchbesprechungen
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ihren Expeditionen sprechen, so rechnen sie mit 5000 Mann (z. B. p. 534), wäh
rend Cheng Ho’s erste Expedition 317 Schiffe hatte, von denen 62 die von
Needham bewunderten „Treasure ships“ waren. Die größten von diesen
waren 300 Fuß lang (nach anderen 452 Fuß) und größer als alle europäischen
Schiffe der Zeit. Die Flotte fuhr aus mit 27 870 Mann, von denen 26 803
Soldaten waren. Die vierte Expedition von 1413—15 hatte 28 560 Mann, von
der dritten wird gesagt, daß sie 30 000 Mann hatte. Die Kosten solcher
Expeditionen müssen fantastisch gewesen sein, und ihr Hauptzweck soll,
außer Freundschaftsbesuchen, die Suche für Medizinen gewesen sein! Need
ham betont, daß alle besuchten Staaten freudig die chinesischen Geschenke
annahmen und begeistert „Tribut“ an China zu leisten versprachen. Gelegent
licht „mußten“ die Chinesen gegen solche Staaten, die sich nicht so freund
lich benahmen, militärisch Vorgehen; sie brachten sogar Gefangene nach
Nanking, die „were kindly treated“; allerdings wurden einige hingerichtet
(p. 516). Der gefangengenommene Herrscher von Ceylon wurde allerdings
zurückgesandt, aber nachdem die Chinesen dort ein Puppenregime eingesetzt
hatten. Und ein Mann aus Canton (kein „tribal chief“, wie Needham sagt), der
sich in Palembang zum Herrscher gemacht hatte, und der von einem anderen
Cantonesen denunziert war, wurde von der Marine gefangen genommen, mit
seinen Leuten ebenfalls nach Nanking gebracht, und hingerichtet (p. 515). Nur
nebenbei wird berichtet, daß zur Zeit der Expeditionen die Chinesen wieder
einmal in Annam einfielen. Bei diesen Tatsachen drängen sich andere Erklä
rungen für die Expeditionen auf, die übrigens sofort eingestellt wurden, als
die Gefahr eines Angriffs des Timuriden-Staates auf Nordchina beseitigt war.
Es ist richtig, daß die Taten der Portugiesen in Ost-Afrika gegen die dorti
gen Araber Grausen erregen bei uns heutigen (p. 514); aber wir sollten nicht
vergessen, daß die Araber in Ost-Afrika die Sklavenjäger waren, die das
ganze Mittelmeer mit afrikanischen Sklaven versorgten. Es ist richtig, daß
die Europäer Afrika ausgebeutet haben, aber Needham selbst zitiert einen
klassischen Text (p. 518 Note), der die Politik der Ausbeutung unterentwickel
ter Länder durch die Chinesen bereits 80 v. Chr. klar ausspricht. Waren die
Chinesen wirklich nie interessiert am Handel mit fremden Ländern (p. 520)?
Wir wissen nicht sehr viel über den Handel, weil es sich um Staatshandel
handelte, aber in der T’ang-Zeit war die Hauptstadt voll von Gütern aus dem
Ausland. China hatte um die Zeitwende in der Tat viel Gold, während Roms
Gold nach dem Osten abfloß. Aber von 200 n. Chr. an verschwindet das Gold
auch aus China; das römische Gold zweifellos floß nicht nach China, und
wohin das chinesische Gold floß und zu welchen Zwecken, wissen wir noch
nicht. Rom brauchte Gewürze aus dem Orient, und woher bekam China seine
Gewürze, sein Sandelholz, seine Schwalbennester? Ich erwähne diese Dinge
nur, um zu zeigen, daß meiner Ansicht nach Needham hier eine Voreingenom
menheit zeigt, die ihm auch von anderen vorgeworfen ist. Die Voreingenom
menheit zeigt sich sogar in Übersetzungen, so wenn (p. 522) chu-fan als
„foreign nations“ übersetzt wird, obwohl der Ausdruck fan ein Derogativer,
mit dem Sinn „Unzivilisierte“ ist. Und chao-yü (p. 522) bedeutet nicht einfach,
daß die Admiräle „(should) announce our Mandate“, sondern ist ein an die
besuchten Länder gerichteter Befehl des chinesischen Kaisers, wie man ihn
an die eigenen Untertanen zu senden pflegt. Wir hoffen, daß Needham im
abschließenden Band, in dem er auf die chinesische Gesellschaft zurück
kommen will, sich von solchen Einseitigkeiten freimachen wird und, von
einem realistischen Bild der chinesischen Gesellschaft ausgehend, den wahren
Platz der Wissenschaft und Technik erklären wird.