Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 7.1902

* 
j ß2 B. Referate. Ethnologie. 
Regierungsbezirke Wjatka. Manche Forscher halten die Bassermjänen für 
ein Kreuzungsprodukt von Tataren und Wotjäken, von welch letzteren sie 
ihre heutige Sprache angenommen haben sollen; Chiwa, nach anderer 
Ansicht Bolgarien soll ihre Urheimat sein. Nun geht aber aus Über 
lieferungen, welche die Bessermjänen selbst über ihre Herkunft besitzen, 
unzweifelhaft hervor, dass sie keine Mischrasse, sondern einfach getaufte 
Tataren vorstellen. Wenn sie mit dem Islam auch ihre Sprache aufgaben, 
so geschah dies gewissermassen auch par ordre de mufti, da die Missionäre 
sie dadurch besser im neuen Glauben festzuhalten hofften. Durch den 
Besitz schmaler Lidspalten, weitausladender Wangenbeine, seitlich abstehender 
Ohren und spärlichen Bartwuchses scheinen die Bessermjänen übrigens auch 
in körperlicher Hinsicht ihre türkisch-tatarische Abstammung zu bekunden. 
Heiraten mit Wotjäken bezw. Wotjäkinnen gehören zu den grossen Selten 
heiten; der Bessermjäne hält dies unter seiner Würde. Interessant sind die 
heidnischen Gebräuche der Bessermjänen, die der Yf. genauer studiert hat. 
Dr. Richard Weinherq-Jurjew {Dorpat). 
151. W- A. Moschkow: Materialien zur Charakteristik der Volks 
musik bei den exogenen Stämmen des Wolga-Kamagebietes. 
(Russ.) Nachrichten der Gesellschaft für Archäologie, Ge 
schichte und Ethnographie an der kaiserl. Universität Kasan. 
1901. Bd. XVII, Heft 1, S. 1—41. 
Für die Psychologie der Menschenrassen ist die nähere Kenntnis der 
sozusagen eingeborenen künstlerischen Veranlagungen eines Volksstammes 
unzweifelhaft von grösster Bedeutung. Hier handelt es sich speziell um 
Tonkunst, Im Anschlüsse an seine früheren Untersuchungen und Grund 
legungen über den gleichen Gegenstand behandelt der Vf. hier die Volks 
melodien, die von ihm persönlich bei den Nogai und Kirgisen im Astrachansehen 
und Orenburgschen direkt an der Quelle aufgezeichnet und gesammelt 
wurden. Die hinzugehörigen Texte sind in der betreffenden Originalsprache 
und in russischer Übersetzung beigefügt. Eine Reihe linguistischer Besonder 
heiten, auf die wir hier nicht näher ei.ngeh.en können, wird als Beweis 
hervorgehoben für die sprachliche Verwandtschaft der beiden untersuchten 
Volksgruppen mit gleichnamigen Stämmen der Krim und gewissen Türk 
völkern des mittleren Wolgagebietes; hierbei wird auch auf die bekannten 
Ermittelungen des Akademikers W. Radloff zurückgegriffen. 
Dr. Richard Weinberg-Jurjeiv {Dorpat). 
152. N. Malijew: Die Wogulen. Eine anthropologische Skizze. 
(Russ.) Russische Zeitschrift für Anthropologie. 1901. Jahr 
gang II, No. 1, S. 73. 
In reiner Form findet sich der anthropologische Typus des Wogulen 
ausgeprägt bei den nomadisierenden Gruppen dieses Stammes. Doch ist
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.