B. Referate. 1. Anthropologie.
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b. Biologie.
1) Physiologisches Verhalten.
9 P. Mahoudeau : Le principe du transformisme. Rev. mens, de l’École
d’anthropologie de Paris. 1897. Bd. VII, S. 193.
Das Hauptverdienst, die Prinzipien von der Veränderlichkeit der Arten aufgrund
exakter wissenschaftlicher Beobachtung zuerst klar ausgesprochen zu haben
gebührt unzweifelhaft dem Franzosen J. B. Lamarck, obzwar auch er bereits eine
ganze Reihe von Vorgängern, sogar im Altertume, hatte. Er trat im J. 1809, mithin
gerade 50 Jahre vor Darwin, in seinem Werke „La philosophie zoologique“
mit genau formulierten Thesen gegen die Schöpfungstheorie auf, fand jedoch bei
seinen Zeitgenossen noch kein Verständnis, indem sich ihm hervorragende Gelehrte,
wie Cuvier, entgegenstellten. Lamarck sah die gelatinösen und schleimigen lebenden
Substanzen als Urwesen an und stellte auch bereits philogenetische Übersichtstabellen
auf, nach welchen sich aus den Würmern die übrigen Wirbellosen und
Wirbeltiere entwickelt haben sollten. Er war der erste, welcher das Tierreich
als eine ununterbrochene Kette von ineinandergreifenden Gliedern ansah, die infolge
des fortwährenden Entwickelungsganges der Erde allmählich in die höher
organisierten Formen umgewandelt worden seien und deren letztes Glied das Genus
horno darstellt. Den Grund dieser Umbildung suchte er vorzugsweise im Gebrauch
und Nicht gebrauch der Organe. M. hebt hervor, dass es E. Häckel in Jena war,
welcher auf die Priorität Lamarcks zuerst hinwies.
Dr. 0. Ilovorka Edler v. Zderas-Janjina.
10. Ch. Letourneau: L’éducation dans le règne animal. Revue mens,
de l’École d’anthropologie de Paris. 1897. Bd. VII, S. 97.
Trotz der vielen morphologischen Unterschiede im Tierreiche findet Letourneau
dass auch hier eine den niederen menschlichen Rassen nicht unähnliche Erziehung
der Jungen seitens der Alten stattfindet, und dass alle Wirbeltiere, ja selbst manche
Wirbellose, welche einigermaassen entwickelte Nervencentren besitzen, gleich empfänglich
für die Erziehung seien. Zugleich können gewisse erbliche functionelle
und instinktive Lebensäusserungen durch geeignete Vorgangsweise und veränderte
Existenzbedingungen umgeändert und durch neue ersetzt werden. Als Beispiel
erörtert er die Lebensweise der Biene, der Ameise, des Falken, des Elephanten,
des Pferdes, des Hundes u. a.; beim letzteren kann man am besten ersehen, inwieweit
seine Eigenschaften durch jahrtausendelang fortgesetzte Domestikation beeinflusst
werden können. Mit der Tierzähmung steht auch die gesprochene Sprache
in vielfacher Beziehung. Da die Sprache einerseits längst nicht mehr als eine unübersteigbare
Schranke zwischen Mensch und Tier angesehen wird und andererseits
der Nachahmungstrieb verkehrt proportional ist mit der intellektuellen Entwickelung,
so muss zugegeben werden, dass eine Reihe von Tieren nicht nur die Fähigkeit
erlangen kann, manche von Menschen gesprochenen Worte und Wortgruppen
thatsächlich zu ver stehen, sondern ausnahmsweise durch geeignete Dressur imstande ist,
dieselben auch nachzusprechen. Dr. 0. Hovorka Edler v. Zderas-Janjina.