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Volltext: Der Erdball, 5.1931

- 301 
Reichtum häufte sich. Hierzu kamen 
die Einnahmen aus den Rüdersdorfer 
Kalkbergen, die die Mönche erworben 
hatten, nachdem ihnen schon 1249 
die Markgrafen von Brandenburg, 
Johann und Otto, ein ansehnliches 
Stück bewaldetes Land im Barnim 
überwiesen hatten. Im 15. Jahrhun 
dert erreichte das Kloster seine 
höchste Blütezeit. Unter dem Abt 
Nikolaus (1489 — 1501) wurde 1495 
das neue Abthaus mit seinem herr 
lichen gotischen Giebel erbaut, das 
heute noch steht. Die Klostergebäude, 
die im Viereck von einer Schutzmauer 
umgeben waren, glichen einer Fe 
stung. Zwei Tore führten in das 
Innere des Klosters. Nach Osten lag 
das Haupttor, das einem überwölbten 
Burgtor ähnlich war; über ihm hatte 
der Torwächter seine Stube. Er war 
nicht etwa Laienbruder, sondern Voll 
mönch des Ordens. Steinfundamente 
deuten darauf hin, daß das Tor dort 
gelegen hat, wo der heutige Pfarr 
garten ist. Ein anderes Tor nach 
Norden wurde nur fürstlichem Be 
such geöffnet. 
Aber der ungeheure Reichtum wur 
de den Mönchen zumVerhängnis, mit 
dem Ende des 15. und dem 16. Jahr 
hundertsetzte derVerfall ein. Fleißige, 
rührige Hände gab es schon lange 
nicht mehr, sie hatten es nicht mehr 
nötig, von allen Seiten (u. a. auch aus 
der Marienkapelle vom Golm) floß 
das Geld ihnen zu. Mit dem Beginn 
der Reformation gärte es auch im 
Innern des Klosters, obwohl nach 
außen hin noch nicht viel zu merken 
war. Abt Nikolaus und sein Nachfol 
ger Abt Benedikt waren kunstsinnige 
Menschen, die sehr zur Verschöne 
rung des Klosters beitrugen. Abt 
Nikolaus gründete eine eigeneDrucke- 
rei, die das erste Druckwerk ins 
märkische Land sandte, den „Ma 
rienpsalter“. Es war ein Inkunabel 
druck, d.h. die Initialen wurden noch 
mit der Hand gezeichnet, während 
der Text gedruckt wurde. Obwohl 
durch die Reformationsbewegung das 
Kloster sehr gefährdet wurde (schloß 
sich doch sogar Jüterbog Luthers 
Lehre an), verstand es Abt Benedikt, 
das Kloster uneingeschränkt zu er 
halten, bis es 1535 der Kardinalerz 
bischof Albrecht von Magdeburg für 
geratener hielt, einen Teil der Kost 
barkeiten aus der Kirche zu entfernen 
und nach Magdeburg in Sicherheit zu 
bringen. 1536 starb Benedikt, und 
unter seinen beiden Nachfolgern, die 
lutherisch gesinnt waren, brach das 
Unheil los. Die wirtschaftlichen Ver 
hältnisse wurden schlechter, die Ab 
gabepflichtigen verweigerten die Zah 
lungen, im Kloster ging alles drunter 
und drüber. Jeder sorgte für sich, 
Mönche stahlen im kleinen, Aebte im 
großen. Sogar die Bleieinfassungen 
der Fenster und Türen wurden ent 
wendet, bis die beiden lutherischen 
Aebte schließlich vom Erzbischof von 
Magdeburg ihres Amtes entsetzt und 
in Gewahrsam genommen wurden. 
Aber auch dem letzten Abt Valerian 
gelang es nicht mehr, das Kloster 
getriebe herzustellen. Er zog mit den 
letzten Mönchen 1547 von Zinna ab. 
Seitdem wurde das Kloster nur noch 
vorübergehend bewohnt. Im Dreißig 
jährigen Kriege stand es unter der 
Administratur des Markgrafen Chri 
stian Wilhelm, eines Hohenzollern, 
des Onkels des Großen Kurfürsten. 
Seine Gemahlin wohnte in dem Abt 
hause, wohin sie 1631 die Gemahlin 
Gustav Adolfs einlud. Christian Wil 
helm, der bei der Verteidigung Mag 
deburgs in die Hände der Kaiser 
lichen fiel und nach Wien gebracht 
wurde, trat zum Katholizismus über 
und erhielt an Stelle der Magdeburger 
Administratur das Kloster Zinna und 
Lohburg zugesprochen. Hier in Zinna 
wohnte er in der großen Abtei, die 
seitdem „Fürstenhaus“ genannt wur
	        
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