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Volltext: Der Erdball, 4.1930

keiten, und sie verabreden, wo sie 
andern Tags die schönsten bunten 
Tücher kaufen wollen, sich beim 
großen Wasserfest „Thot Kathin" 
zu schmücken. 
Vor Sonnenaufgang rudert das 
lustige Marktvölklein heimwärts 
zu Rast und Ruh, um in der 
nächsten Mitternacht wieder her 
beizugondeln. 
* 
Nahe der Mündung des Menam 
liegt auf einsamer Insel der mär 
chenschöne Tempel „Prachadi 
Paknam“. Alljährlich am Feste 
„Tliot Kathin“ wird eine feierliche 
Pilgerfahrt dorthin veranstaltet. 
Siams König besucht den Tempel 
mit seinem ganzen Hofstaat und 
bringt kostbare Opfergaben. 
In früher Morgenstunde fahren 
wir nach Paknam, die herrliche 
Prozession auf dem Wasser zu 
sehen. Schnell gleiten wir den 
majestätischen Strom hinab. Vom 
Gestade grüßen farbenglühende 
Gefilde, in denen geheimnisvoll 
der Geist des großen Buddha webt. 
Verträumt, wie eine Vision liegt 
der Tempel von den Strahlen der 
auf gehenden Sonne in ein Feuer 
meer getaucht. 
Aus des Tempels Einsamkeit tönt 
der monotone Chorgesang der 
Buddhapriester. Melodisch läuten 
die silbernen Pagodenglöcklein, 
leise murmeln und plätschern die 
Wellen. 
Da, in der Ferne wirds lebendig, 
es glitzert und schillert in tausend 
Farben. Langsam kommen die 
rotgoldenen Barken durch die 
leuchtende Flut gezogen. Zwei 
und zwei mit je 50 Ruderern in 
purpurroten Jacken. 
Die Bootsleute sind Ruderer von 
Profession, die diese Kunst seit 
Generationen im Dienst der 
Könige von Siam ausiiben. In 
früheren Zeiten gab es in Bang 
kok, dem Venedig des fernen 
Ostens, nur Wasserstraßen. 
In tiefem Goldglanz taucht die 
Staatsbarke des Königs auf. In 
der Mitte ein Thron, von vergolde 
tem Baldachin überdacht. Phan 
tastische Figuren, Tewadas, 
Drachen, Schlangen und Embleme 
schmücken den hochragenden 
Vorderteil der geschnitzten Barke. 
Smaragdene Lichter tanzen auf 
den Wellen. 
Ihrem König folgen die Boote 
der Prinzen, Mandarine und Wür 
denträger, der Offiziere und Sol 
daten. Hinab bis zum ärmsten 
Bettler, der halbnackt in winzigem 
Fahrzeug hockt, pilgern alle zum 
Tempel, Buddha zu opfern. 
Ungezählte Nachen und Kähne 
wiegen sich im Sonnengold. 
Endlich hat die königliche Barke 
die Landungsbrücke des Insel 
tempels erreicht. König Prajadhi- 
pok steigt an Land und begibt sich 
mit seinem Gefolge in den Tempel. 
Auf besonders hergerichtetem 
Altar, auf dem fünf goldene Leuch 
ter mit brennenden Kerzen, fünf 
goldene Vasen mit Blumen, fünf 
goldene Schüsseln mit geröstetem 
Reis und fünf Weihrauchstöcke 
stehen, legt er seine Opfergaben 
nieder. Nach uraltem Brauch ge 
lobt er dem Glauben seiner Vor 
fahren getreu zu bleiben bis in den 
Tod. 
Dann kehrt er in gleichem Pomp 
wie er gekommen, nach Bangkok 
zurück. Purpurne Blitze zucken 
über die Wasserfläche, auf der die 
imposante Flotille dahingleitet.
	        
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