keiten, und sie verabreden, wo sie
andern Tags die schönsten bunten
Tücher kaufen wollen, sich beim
großen Wasserfest „Thot Kathin"
zu schmücken.
Vor Sonnenaufgang rudert das
lustige Marktvölklein heimwärts
zu Rast und Ruh, um in der
nächsten Mitternacht wieder her
beizugondeln.
*
Nahe der Mündung des Menam
liegt auf einsamer Insel der mär
chenschöne Tempel „Prachadi
Paknam“. Alljährlich am Feste
„Tliot Kathin“ wird eine feierliche
Pilgerfahrt dorthin veranstaltet.
Siams König besucht den Tempel
mit seinem ganzen Hofstaat und
bringt kostbare Opfergaben.
In früher Morgenstunde fahren
wir nach Paknam, die herrliche
Prozession auf dem Wasser zu
sehen. Schnell gleiten wir den
majestätischen Strom hinab. Vom
Gestade grüßen farbenglühende
Gefilde, in denen geheimnisvoll
der Geist des großen Buddha webt.
Verträumt, wie eine Vision liegt
der Tempel von den Strahlen der
auf gehenden Sonne in ein Feuer
meer getaucht.
Aus des Tempels Einsamkeit tönt
der monotone Chorgesang der
Buddhapriester. Melodisch läuten
die silbernen Pagodenglöcklein,
leise murmeln und plätschern die
Wellen.
Da, in der Ferne wirds lebendig,
es glitzert und schillert in tausend
Farben. Langsam kommen die
rotgoldenen Barken durch die
leuchtende Flut gezogen. Zwei
und zwei mit je 50 Ruderern in
purpurroten Jacken.
Die Bootsleute sind Ruderer von
Profession, die diese Kunst seit
Generationen im Dienst der
Könige von Siam ausiiben. In
früheren Zeiten gab es in Bang
kok, dem Venedig des fernen
Ostens, nur Wasserstraßen.
In tiefem Goldglanz taucht die
Staatsbarke des Königs auf. In
der Mitte ein Thron, von vergolde
tem Baldachin überdacht. Phan
tastische Figuren, Tewadas,
Drachen, Schlangen und Embleme
schmücken den hochragenden
Vorderteil der geschnitzten Barke.
Smaragdene Lichter tanzen auf
den Wellen.
Ihrem König folgen die Boote
der Prinzen, Mandarine und Wür
denträger, der Offiziere und Sol
daten. Hinab bis zum ärmsten
Bettler, der halbnackt in winzigem
Fahrzeug hockt, pilgern alle zum
Tempel, Buddha zu opfern.
Ungezählte Nachen und Kähne
wiegen sich im Sonnengold.
Endlich hat die königliche Barke
die Landungsbrücke des Insel
tempels erreicht. König Prajadhi-
pok steigt an Land und begibt sich
mit seinem Gefolge in den Tempel.
Auf besonders hergerichtetem
Altar, auf dem fünf goldene Leuch
ter mit brennenden Kerzen, fünf
goldene Vasen mit Blumen, fünf
goldene Schüsseln mit geröstetem
Reis und fünf Weihrauchstöcke
stehen, legt er seine Opfergaben
nieder. Nach uraltem Brauch ge
lobt er dem Glauben seiner Vor
fahren getreu zu bleiben bis in den
Tod.
Dann kehrt er in gleichem Pomp
wie er gekommen, nach Bangkok
zurück. Purpurne Blitze zucken
über die Wasserfläche, auf der die
imposante Flotille dahingleitet.