tes Wasser schreitet, der muß früh
sterben.
Will ein junges Mädchen wissen,
ob und wann sie heiratet, so stellt
sie bei einer Mondfinsternis Was
ser ins Freie. Sie erblickt darin
ihren künftigen Mann; die Zahl
der Striche auf seiner Stirn zeigt
die Jahre der Ehe an. Sieht aber
das Mädchen nichts, dann muß es
ledig bleiben. In Süddeutschland
machen die Mädchen in der Christ
nacht Kränze aus neunerlei Holz,
setzen sie auf den Kopf und gehen
bei Sternenlicht zu einem I luß, an
dem ein Baum steht. Dort sehen
sie das Bild des Geliebten.
In Westfalen nimmt das Mäd
chen in der Matthiasnacht eine
neue irdene Schüssel, schöpft drei
mal aus einem Bach AVasser hinein
und spricht jedesmal dabei:
„Matthias, gib mir Kund und
Schein, welcher mein Mann soll
sein. Beschert mir Gott einen
reichen, beschert er mir Bier und
AVein; beschert er mir einen
armen, beschert er mir Salz und
Brot. Im Namen des usw.“ Dann
trägt das Mädchen die Schüssel mit
AA asser nach Hause, zieht sich in
der Küche nackt aus, setzt sich in
einen großen Korb und stellt das
AATisser vor sich hin. Sogleich wird
ihr Zukünftiger erscheinen. Die
Erscheinung aber darf nicht ange
sprochen werden.
Die Heiratslustigen lassen auch
in der Christnacht Wasser ge
frier en und deuten dann aus den
Eisfiguren den Beruf des künfti
gen Gatten. Am besten ist es,
wenn man sich in diesem Wasser
■vorher die Füße gewaschen hat.
Nach einem schon im Mittelalter
weitverbreiteten Aberglauben, der
sich bis in unsere Zeit erhalten hat,
sind die Wöchnerinnen dem Ein
fluß der Hexen ganz besonders
ausgesetzt. Dieser böse Einfluß
läßt sich aber bannen, wenn die
AVöchnerin vermeidet, an offenen
Brunnen vorüber zu gehen.
Für die kleinen Kinder zeigt
der Aberglaube ebenfalls großes
Interesse. Wenn zum Beispiel ein
Kind ins Freie getragen wird und
dabei einschläft, so ist sein Schlaf
„ausgetragen“, es findet nach die
sem Schlaf keinen rechten Schlaf
mehr. Man muß dann gleich
kochendes Wasser in eine Schüssel
gießen und einen Topf umgekehrt
darauf setzen, das Kind bekommt
dadurch wieder regelmäßigen
Schlaf. Damit die Kinder leicht
zahnen, läßt man sie Wasser vom
Trinknapf eines Finken trinken.
Das Wasser zeigt auch die Men
schen an, welche sterben müssen,
und zwar in der Andreasnacht; in
anderen Gegenden ist die Wal
purgisnacht die Todkündende.
AVenn man da um Mitternacht in
einen Fluß blickt, erscheint ein
menschlicher Kopf auf dem AVas-
serspiegel. Derjenige Mensch nun,
dessen Gesicht dieselben Züge auf
weist, muß bald sterben. In
Schlesien stellen die Abergläubi
schen in der Andreasnacht drei
Teller auf den Tisch und füllen
diese mit Wasser, Sand und Kohle.
AVer nun sein Schicksal erfragen
will, der geht rückwärts auf die
Teller zu und erfaßt einen mit der
linken Hand. Wasser bedeutet,
daß der Betreffende unglücklich
wird. Wird der Teller mit dem
Sand ergriffen, so ist der Tod nicht
mehr weit, der Kohl aber zeigt den
Brautkranz an.
Mit Wasser lassen sich auch
unerwünschte vierbeinige Haus
gäste vertreiben, wenn man ein