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Volltext: Der Erdball, 4.1930

tes Wasser schreitet, der muß früh 
sterben. 
Will ein junges Mädchen wissen, 
ob und wann sie heiratet, so stellt 
sie bei einer Mondfinsternis Was 
ser ins Freie. Sie erblickt darin 
ihren künftigen Mann; die Zahl 
der Striche auf seiner Stirn zeigt 
die Jahre der Ehe an. Sieht aber 
das Mädchen nichts, dann muß es 
ledig bleiben. In Süddeutschland 
machen die Mädchen in der Christ 
nacht Kränze aus neunerlei Holz, 
setzen sie auf den Kopf und gehen 
bei Sternenlicht zu einem I luß, an 
dem ein Baum steht. Dort sehen 
sie das Bild des Geliebten. 
In Westfalen nimmt das Mäd 
chen in der Matthiasnacht eine 
neue irdene Schüssel, schöpft drei 
mal aus einem Bach AVasser hinein 
und spricht jedesmal dabei: 
„Matthias, gib mir Kund und 
Schein, welcher mein Mann soll 
sein. Beschert mir Gott einen 
reichen, beschert er mir Bier und 
AVein; beschert er mir einen 
armen, beschert er mir Salz und 
Brot. Im Namen des usw.“ Dann 
trägt das Mädchen die Schüssel mit 
AA asser nach Hause, zieht sich in 
der Küche nackt aus, setzt sich in 
einen großen Korb und stellt das 
AATisser vor sich hin. Sogleich wird 
ihr Zukünftiger erscheinen. Die 
Erscheinung aber darf nicht ange 
sprochen werden. 
Die Heiratslustigen lassen auch 
in der Christnacht Wasser ge 
frier en und deuten dann aus den 
Eisfiguren den Beruf des künfti 
gen Gatten. Am besten ist es, 
wenn man sich in diesem Wasser 
■vorher die Füße gewaschen hat. 
Nach einem schon im Mittelalter 
weitverbreiteten Aberglauben, der 
sich bis in unsere Zeit erhalten hat, 
sind die Wöchnerinnen dem Ein 
fluß der Hexen ganz besonders 
ausgesetzt. Dieser böse Einfluß 
läßt sich aber bannen, wenn die 
AVöchnerin vermeidet, an offenen 
Brunnen vorüber zu gehen. 
Für die kleinen Kinder zeigt 
der Aberglaube ebenfalls großes 
Interesse. Wenn zum Beispiel ein 
Kind ins Freie getragen wird und 
dabei einschläft, so ist sein Schlaf 
„ausgetragen“, es findet nach die 
sem Schlaf keinen rechten Schlaf 
mehr. Man muß dann gleich 
kochendes Wasser in eine Schüssel 
gießen und einen Topf umgekehrt 
darauf setzen, das Kind bekommt 
dadurch wieder regelmäßigen 
Schlaf. Damit die Kinder leicht 
zahnen, läßt man sie Wasser vom 
Trinknapf eines Finken trinken. 
Das Wasser zeigt auch die Men 
schen an, welche sterben müssen, 
und zwar in der Andreasnacht; in 
anderen Gegenden ist die Wal 
purgisnacht die Todkündende. 
AVenn man da um Mitternacht in 
einen Fluß blickt, erscheint ein 
menschlicher Kopf auf dem AVas- 
serspiegel. Derjenige Mensch nun, 
dessen Gesicht dieselben Züge auf 
weist, muß bald sterben. In 
Schlesien stellen die Abergläubi 
schen in der Andreasnacht drei 
Teller auf den Tisch und füllen 
diese mit Wasser, Sand und Kohle. 
AVer nun sein Schicksal erfragen 
will, der geht rückwärts auf die 
Teller zu und erfaßt einen mit der 
linken Hand. Wasser bedeutet, 
daß der Betreffende unglücklich 
wird. Wird der Teller mit dem 
Sand ergriffen, so ist der Tod nicht 
mehr weit, der Kohl aber zeigt den 
Brautkranz an. 
Mit Wasser lassen sich auch 
unerwünschte vierbeinige Haus 
gäste vertreiben, wenn man ein
	        
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