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Objekt: Zeitschrift für Volkskunde, 63/64.1967/68

Buchbesprechungen 
139 
Paul Zaunert (Hrsg.), Westfälische Sagen. Unveränderter Nachdruck der 
Auflage von 1927. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf 1967. 388 S., 16 Tafeln 
und viele weitere Abb. 
Dem Reprodruck der Schwarzwaldsagen und der Schlesischen Sagen folgt nun 
die Neuausgabe der Westfälischen Sagen von Zaunert. Ich begrüße es sehr, daß 
der Verlag - im Gegensatz zu den Märchen der Weltliteratur - bei der Sagen 
reihe bei einem unveränderten Nachdruck bleiben will, und man kann ihn in 
seinem Vorhaben nur bestärken, selbst, wenn wie im vorliegenden Falle Sagen 
auffassung und Auswahl nicht mehr ganz unserer Meinung von der Volkserzäh 
lung entsprechen. Alle diese Bände werden dem Volkskundler im Überblick und 
Nachweis oft verborgenen Materials eine wertvolle Hilfe bleiben. Wir hoffen, 
daß die Reihe solcher Nachdrucke fortgesetzt werden kann. 
Bonn Matthias Zender 
Franz Georg Brustgi, Sagen und Schwänke von der Schwäbischen Alb. Ros 
garten Verlag, Konstanz o. J. (1966). 195 S., zahlreiche Illustrationen. 
Der Herausgeber, selbst ein Kind der Schwäbischen Alb, hat sich die Aus 
wahl nicht leicht gemacht. In guter Kenntnis der Quellen zog er nicht nur die 
bekannten schwäbischen Sagensammlungen, sondern auch Heimatzeitschriften 
und alte Sammlungen wie Heinrich Bebels Schwänke, H. W. Kirchhofs „Wend- 
unmuth“, Abraham a Santa Claras „Grillen und Pillen“ und vieles andere 
heran. Die Ordnung der Erzählungen erfolgt nach geographischem Gesichts 
punkt: neun Teillandschaften der Schwäbischen Alb erscheinen in ihrem charak 
teristischen Bestand. Spuksagen stehen an erster Stelle; historische Sagen, 
Schwänke und auch Legenden runden das Bild ab. Ein Ortsverzeichnis und 
Quellennachweise geben den erforderlichen Unterbau. Der „volkstümlich natür 
liche Erzählton“, von dem in der Einleitung die Rede ist, ist ebenso ge 
glückt wie die Illustrationen. Das Ziel, ein „Hausbuch für jedermann“ zu 
schaffen, das heimatliches Volksgut in einem repräsentativen Bestand bewahrt, 
ist voll erreicht. Von wissenschaftlicher Bedeutung ist die Sammlung nicht. 
Bonn Gerda Grober-Glück 
Dietrich Boueke, Materialien zur Neidhart-Überlieferung (Münchener Texte 
und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters. Band 16). C. H. 
Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1967. X, 244 S. 
Neidhart von Reuental, der sich selbst der von Riuwental nannte, und der bei 
seinen Zeitgenossen unter dem Namen Nidhart rasch zum Prototyp des Bauern 
feindes wurde und sehr in Mode kam, ist eine der interessantesten Erscheinun 
gen der deutschen Literaturgeschichte des 13. Jahrhunderts. Die bisherigen For 
schungsergebnisse der Germanistik wie der Volkskunde haben immer nur mehr 
Rätsel aufgegeben. Seit die frühere These vom dörperlidhen Sänger Neidhart 
unhaltbar geworden ist, verlegt sich das Forschungsinteresse vornehmlich auf 
die Interpretation der komplizierten Verhältnisse von ironischen, satirischen 
und parodistischen Funktionen zueinander. Völlig neu aufzuarbeiten wäre der 
Gesamtkomplex der Neidhart-Uberlieferung und der verästelten Neidhart-
	        
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