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erkrankt waren, nach Keshma. So
blieb Professor Kulik ganz allein
in der Taiga. Zusammen mit
Alexis setzte ich meinen Weg fort,
längs der Angara bis zum Einfluß
in den Jenissei. Hier erreichte ich
im September einen Flußdampfer,
der mich nach Krassnojarsk
brachte, der Bahnstation an der
großen transsibirischen Eisenbahn.
Sytin beteiligte sich an der
Rettungs-Expedition für Professor
Kulik, der es jedoch erst nach
Monaten gelang, ihn zu retten.
Im Angesicht des Mount Everest.
Von Anton Lüb ke.
Mit 6 Abbildungen auf Tafelseite 48 und 49.
ln Kalkutta, der östlichen indi
schen Millionenstadt ist es tropisch
heiß, die Straßen glühen vom
Sonnenbrände, und man sehnt sich
nach einer Abkühlung. Weil liegt
der Himalaya; um ihn zu erreichen
und sich dort die gewünschte Ab
kühlung und Erholung von tropi
scher Ermattung zu verschaffen,
bedarf es einer fast zwanzig-
stiindigen Bahnfahrt. Reisen sind
in Indien aber mit großen
Schwierigkeiten verbunden, da
meist sehr große Strecken zurück
gelegt werden müssen, auf denen
beispielsweise die Mitnahme eines
eigenen Bettes unerläßlich ist,
wenn man nicht die ganzen Unan-
nehml ichkeiten langer Nacht
fahrten auf sich nehmen will.
Mehr noch erfordert eine Reise aus
dem tropischen Bengalen zum
Himalaya sorgfältiger Vorbe
reitung, denn infolge des ge
waltigen Temperaturunterschiedes
von 20 bis 50 Grad ist eine Reise
in den indischen Norden für den
während langer Zeit an die tro
pische Wärme gewöhnten Körper
gleichzustellen mit einer Reise in
die Eisregionen. Denn obwohl das
lliermometer im Januar am
Himalaya kaum unter Null Grad
steht, so empfindet der Körper die
sen Kältegrad doch bedeutend
mehr, als ein solcher, der daran
ständig gewöhnt ist.
Eine lange Nachtfahrt und einen
halben Tag benötigt man, um von
Kalkutta mit dem sogenannten
Darjilingexpreß den Himalaya zu
erreichen. Aus einem unruhigen
Schlafe erwacht man im dämmern
den Morgen in Siliguri, der End
station der Eastern-Bengal-Eisen-
bahn auf. Ein lächerlich kleiner
Eisenbahnzug, der anmutet, als ob
er aus einer Spielzeugschachtel
entnommen sei, wartet auf den
Reisenden, um ihn in das hohe Ge
birge zu bringen. Die Wagen
abteile des Zuges sind so klein, daß
man sich darin kaum aufrecht
stellen kann. Gerne überwindet
man diese Unbequemlichkeiten,
denn der Blick aus dem Abteil
fenster in die Landschaft versöhut
leicht mit der unbequemen Fahrt.
Gleich nachdem das Züglein Sili-
guri verlassen und eine lange
Brücke überquert hat, gelangt man
mitten in Urwaldgebiet, das dem
Reisenden die unermeßliche Groß
artigkeit indischen Pflanzen
wuchses zeigt. Die weite Ebene,
die sich hier am Südfluß des
Himalayagebirges auf tut, ist sump
fige Dschungellandschaft, in der
das Malariafieber herrscht und die
deshalb trotz großer Fruchtbarkeit