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Volltext: Der Erdball, 4.1930

— 165 — 
erkrankt waren, nach Keshma. So 
blieb Professor Kulik ganz allein 
in der Taiga. Zusammen mit 
Alexis setzte ich meinen Weg fort, 
längs der Angara bis zum Einfluß 
in den Jenissei. Hier erreichte ich 
im September einen Flußdampfer, 
der mich nach Krassnojarsk 
brachte, der Bahnstation an der 
großen transsibirischen Eisenbahn. 
Sytin beteiligte sich an der 
Rettungs-Expedition für Professor 
Kulik, der es jedoch erst nach 
Monaten gelang, ihn zu retten. 
Im Angesicht des Mount Everest. 
Von Anton Lüb ke. 
Mit 6 Abbildungen auf Tafelseite 48 und 49. 
ln Kalkutta, der östlichen indi 
schen Millionenstadt ist es tropisch 
heiß, die Straßen glühen vom 
Sonnenbrände, und man sehnt sich 
nach einer Abkühlung. Weil liegt 
der Himalaya; um ihn zu erreichen 
und sich dort die gewünschte Ab 
kühlung und Erholung von tropi 
scher Ermattung zu verschaffen, 
bedarf es einer fast zwanzig- 
stiindigen Bahnfahrt. Reisen sind 
in Indien aber mit großen 
Schwierigkeiten verbunden, da 
meist sehr große Strecken zurück 
gelegt werden müssen, auf denen 
beispielsweise die Mitnahme eines 
eigenen Bettes unerläßlich ist, 
wenn man nicht die ganzen Unan- 
nehml ichkeiten langer Nacht 
fahrten auf sich nehmen will. 
Mehr noch erfordert eine Reise aus 
dem tropischen Bengalen zum 
Himalaya sorgfältiger Vorbe 
reitung, denn infolge des ge 
waltigen Temperaturunterschiedes 
von 20 bis 50 Grad ist eine Reise 
in den indischen Norden für den 
während langer Zeit an die tro 
pische Wärme gewöhnten Körper 
gleichzustellen mit einer Reise in 
die Eisregionen. Denn obwohl das 
lliermometer im Januar am 
Himalaya kaum unter Null Grad 
steht, so empfindet der Körper die 
sen Kältegrad doch bedeutend 
mehr, als ein solcher, der daran 
ständig gewöhnt ist. 
Eine lange Nachtfahrt und einen 
halben Tag benötigt man, um von 
Kalkutta mit dem sogenannten 
Darjilingexpreß den Himalaya zu 
erreichen. Aus einem unruhigen 
Schlafe erwacht man im dämmern 
den Morgen in Siliguri, der End 
station der Eastern-Bengal-Eisen- 
bahn auf. Ein lächerlich kleiner 
Eisenbahnzug, der anmutet, als ob 
er aus einer Spielzeugschachtel 
entnommen sei, wartet auf den 
Reisenden, um ihn in das hohe Ge 
birge zu bringen. Die Wagen 
abteile des Zuges sind so klein, daß 
man sich darin kaum aufrecht 
stellen kann. Gerne überwindet 
man diese Unbequemlichkeiten, 
denn der Blick aus dem Abteil 
fenster in die Landschaft versöhut 
leicht mit der unbequemen Fahrt. 
Gleich nachdem das Züglein Sili- 
guri verlassen und eine lange 
Brücke überquert hat, gelangt man 
mitten in Urwaldgebiet, das dem 
Reisenden die unermeßliche Groß 
artigkeit indischen Pflanzen 
wuchses zeigt. Die weite Ebene, 
die sich hier am Südfluß des 
Himalayagebirges auf tut, ist sump 
fige Dschungellandschaft, in der 
das Malariafieber herrscht und die 
deshalb trotz großer Fruchtbarkeit
	        
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