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die den Sumpf umgaben, sind kahl
und tot. Aber vom Meteor selbst
ist nichts zu sehen. Er explodierte
in der Luft und fiel in großen
Stücken auf die Erde, sich tief in
den Boden einbohrend. Wo diese
Teile in der Tiefe des Bodens ver
borgen sind, sieht man genau an
den Dutzenden riesigen Trichtern,
die die Oberfläche des Sumpfes
zerlöchern. Diese Trichter sind
kreisrund und haben Durchmesser
von 5 bis zu über 50 Metern. Sie
begannen allmählich zuzuwachsen
mit Sumpfgras, das sich indessen
merkwürdigerweise scharf in der
Farbe von der übrigen Vegetation
abhebt. Von den Bergen bietet
daher der Sumpf einen eigentüm
lichen Anblick. An den Rändern
des Sumpfes sieht man Falten, die
von der Mitte ausgehen. Sie
scheinen geronnene Wellen zu
sein. Offenbar sind sie ver
ursacht durch den vom Zentrum
ausgehenden Druck beim Fallen
des Meteors, der diese „Defor
mation“ hereorrief. Den Bergen,
die den Sumpf umgaben, gab Prof.
Kulik die Namen bekannter euro
päischer, mit der Meteor-P orschung
beschäftigter Gelehrter.
Hier begann unsere eigentliche
Arbeit, und man kann nicht sagen,
daß sie leicht war. Ziemlich die
größte Schwierigkeit machten uns
die Sumpfmücken und andere
Insekten, die uns in Wolken be
lagerten. Sie zwangen uns, die
Hemden dreifach zu tragen,
schweres Schuhwerk, lederne
Handschuhe und besondere Mos
kito-Netze. Darunter kamen wir
\or Hitze fast um, aber wir mußten
Tag und Nacht unser Gesicht be
deckt halten.
Sehr bald machte sich bei uns
auch der Mangel an Lebensmitteln
bemerkbar. Besonders fehlte uns
jegliches Gemüse, das ja so wich-
iig ist, um den Skorbut zu ver
hindern. Aber es ließ sich durch
nichts dort ersetzen. Bei unseren
Arbeiten und Untersuchungen
mußten wir oft bis zum Leib im
Sumpf steckend, tätig sein.
Mit besonderer Liebe half der
Expedition ein junger Sibirjak,
den wir Alexis nannten. Er kehrte
auch zusammen mit mir nach
Wanowar zurück. Sein größter
Wunsch war, möglichst bald nach
Moskau zu kommen, um dort zu
lernen.
Die Schwierigkeiten der Arbeit
und der Mangel an Lebensmittel
machte sich in ihren Folgen bald
bemerkbar. Zuerst erkrankten
zwei Arbeiter am Skorbut. Auch
bei mir machten sich die ersten
Anzeichen dieser Krankheit be
merkbar. Sobald ich daher meine
Arbeit beendet hatte, wurde be
schlossen, daß ich zusammen mit
den Erkrankten zurückkehren
solle, um nicht die schmalen Vor
räte der Expedition unnötig aufzu
brauchen. Der Rückweg war in
mancher Beziehung noch schwieri
ger als die Hinreise. Die Flüsse
waren ziemlich ausgetrocknet und
daher unbenutzbar; dafür gab es
aber Sümpfe und Moräste ohne
Unterbrechung.
Nachdem ich wieder in Keshma
angelangt war, machte ich eine
große Reihe von Aufnahmen aus
dem Leben der heimischen Be
völkerung. Die verlorenen Posten
der Pelzjäger und Pelzhändler und
auch die nomadischen Tungusen
hielt ich im Filmstreifen fest. Nach
einigen Tagen kam auch Sytin mit
den übrigen Arbeitern, die auch