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fullscreen: Das unbekannte Afrika

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A. und W. Kronenberg 
Anthropos 63/64. 1968/69 
praktische Erfahrung, um zu wissen, daß die Gleichsetzung des christlichen 
Gottesbegriffes und desjenigen der Jo Luo nur teilweise möglich ist, und in 
ehrlicher Erkenntnis seines Unvermögens, eine eindeutige Stellungnahme zu 
beziehen, sich ihr durch das nemo judex in causa propria entzieht, denn bei den 
Jo Luo ist Jwok innerhalb der ganzen sozialen Struktur gegeben und in ihr 
immanent. 
Der Acholi Окот P’ Bitek befindet sich in einer völlig anderen Situation: 
In der christlichen Religion sieht er wohl vorerst die Trennung in das böse 
Diesseits und das gute Jenseits, die Assoziation Gottes mit dem Guten, Wahren 
und Schönen. Wie kann da irgendeine Gemeinsamkeit mit den verschiedenen 
Jwok bestehen, die auch als „Naturs-Geister und Kobolde den Menschen das 
Genick brechen? Wenn wir aber nicht von der christlichen Doktrin, sondern 
von ihrer Rolle in christlichen Gesellschaften ausgehen, so sehen wir, wie bald 
hier in der Praxis der religiöse Bezug aufhört und zu einer Sozialstruktur des 
Jenseits wird, die eben „nicht von dieser Welt“ wie bei den Acholi oder Jo Luo 
ist. 
VI. 
Wenn wir von der Beziehung religiöser und sozialer Begriffe sprechen, s ° 
soll das nicht implizieren, daß wir im DuRKHEiMschen Sinn Religion auf reiu 
soziale Bedingungen reduzieren wollen 20 21 . Im Gegenteil, wir wollen die irmua' 
nente logische Konstante als das Gemeinsame, aber unterschiedlich ausdrück' 
bare Merkmal zweier verschiedener Ordnungen, der Erfahrung des TransinteU 1 ' 
giblen und ihre Verknüpfung mit sozialen Situationen herausarbeiten 21 ull< ^ 
dies an einem Beispiel, einer Invokation bei den Jo Luo, illustrieren. 
Das folgende Beispiel ist deshalb von allgemeinerem Interesse, weil es in ein el 
konkreten Situation zeigt, wie sich die Jo Luo bei der Lösung einer ganz bestimmt 611 
pragmatischen Frage - in unserem Beispiel bei der Heilung einer Frau - je nach ü eJ 
relativen Position der beteiligten Personen in der sozialen Struktur gemäß der Mn 111 
festation von Jwok auf der allgemeinen und gleichzeitig auch partikulären Ebene d e 
sozialen Gegebenheiten auf und ab bewegen, um die Ursachen der Krankheit, also d 6 ’ 
Bösen und des Leidens zu ermitteln. Das Leiden der Menschen ist nämlich nicht du 1 ^ 
einen Gegenspieler des Geistes verursacht, sondern durch die Reaktion eines Juuoh al1 
einer partikulären Ebene der sozialen Beziehungen, wenn oppositionelle soziale Grupl 
bzw. Individuen als Mitglieder dieser Gruppen unmittelbar mit den auf dieser E u 
partikulären und somit auch in Opposition stehenden Manifestationen des Geistes 
bunden sind. 
In der Praxis des sozialen Alltags bekundet sich dieser Antagonis 11111 
durch Handlungen oder Unterlassung bestimmter Handlungen, die die ^ el1 
sehen mit ihrer begrenzten Intelligenz nicht alle erfassen können, die aber cP 
partikulären Manifestationen von Jwok nicht entgehen, und die deshalb K ra ^ 
heiten und Leid verursachen. Um die Ursachen eines bestimmten Leidens a 
20 „It was Dürkheim and not the savage who made society into 
Pritchard 1956: 313). 
21 Vgl. Kronenberg 1962: 316. 
god" (Ё'"'" 5 '
	        
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